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Kultur
27.12.2021

Krypto-Briefmarken beleben die Sammelfreude

Auf zum Mond! Das ist die erste Crypto Stamp der Schweiz. (Symbolbild) Bild: Die Post
Die Post und ihre Briefmarken sind im Wandel, und Krypto-Wertzeichen wirbeln die Branche auf. Aber das Sammelfieber bleibt: Rare Briefmarken sind als beständige, emotionale Wertanlagen beliebt. Die Krypto-Entwicklung sei zu beobachten, sagt Auktionatorin Marianne Rapp Ohmann.

Die neueste Krypto-Briefmarke der Schweizer Post hat einen neuen Schub ausgelöst: Die selbstklebende, aber nach kurzem ausverkaufte Marke kostet knapp neun Franken, bietet zusätzlich Zugang zur digitalen Version und wird nun online zu horrenden Summen angeboten. Man beobachte den Krypto-Trend seit längerem, sagt Marianne Rapp Ohmann. Sie ist Inhaberin des global tätigen Auktionshauses Rapp in Wil SG, einem führenden Schweizer Unternehmen in der Nische von internationalen Briefmarken- und Luxusgüterauktionen.

Fachlicher Rat zu Sammelgut gefragt und wertvoll

Die momentane Situation habe in vielen Familien in Erinnerung gerufen, dass irgendwo noch Briefmarkensammlungen früherer Generationen liegen: „Wir bekommen vermehrt Anfragen, welche Briefmarken sich lohnen, gesammelt oder allenfalls an einer Auktion verkauft zu werden.“ Eigentlich sei es einfach, sagt Rapp: Briefmarken müssen alt und sehr selten sein, eine wirkliche Besonderheit aufweisen oder sogenannte Abarten oder Fehldrucke sein.“ Doch um den wirklichen Seltenheitswert zu eruieren, brauche es Fachleute, die beispielsweis an den Expertentagen des Auktionshauses Rapp zur Verfügung stehen, denn: „Es ist gefährlich, einfach über das Internet unbedacht zu kaufen oder verkaufen – das gilt für Krypto- und herkömmliche Briefmarken.“ Mit Briefmarken im diversifizierten Anlageportfolio und einem langen Atem könne man in Zeiten wie diesen viel Geld verdienen. Zu bedenken sei indes, dass Briefmarken ab den 1960er-Jahren – mit wenigen Ausnahmen – keine wertvollen Sammelobjekte seien, weil damals mit der Massenproduktion begonnen worden sei.

Globale Nachfrage steigt

Die angespannte Weltlage bringe viele neue Sammelnde und Investierende auf den Gedanken, Briefmarken als alternative Wertanlagen zu sehen. „Das wirkt zusätzlich preistreibend.“ Sie beobachte eine steigende Nachfrage und dass wirklich rare Briefmarken nach wie vor an Wert zulegen: „Philatelistische Raritäten werden als lukrative, ergänzende Wertanlagen mit Zusatznutzen neu entdeckt. Sie haben nämlich auch einen hohen historischen, kulturellen und emotionalen Wert. Sie bereiten damit mehrfach Freude. Gerade in Ländern wie China sind sie zu einem Statussymbol geworden.“ Das Angebot an Top-Ware sei aber seit längerem knapp: „Die nächste Auktion im Mai 2022 wird deshalb mit Spannung erwartet. Das Spezielle, Aussergewöhnliche wird gefragt sein.“ Ersttagsbriefe aus dem Jahre 1912 bis ca. 1940, die beispielsweise versteigert werden, können gut und gerne Preise von 30‘000 Franken oder noch mehr erzielen. Eine einzigartige und gut erhaltene „Basler Taube“ auf Brief könne durchaus einen Wert von über 100‘000 Franken erreichen. „Es lohnt sich aber, sich vertieft oder sogar professionell damit zu beschäftigen.“ Manchmal brauche es einfach auch Mut und natürlich eine Portion Glück um in die „richtigen Werte“ zu investieren. Es könne durchaus sein, „dass sich Kryptomarken mit kleiner Auflage zu einem begehrten Sammel- oder Liebhaberstück entwickeln“. Es sei aber noch zu früh, um zu beurteilen, ob der Run auf Krypto-Briefmarken nur spekulativ oder nachhaltig lukrativ sei. Weil das Auktionshaus Rapp seit vielen Jahren auf Online-Versteigerungen setze, rechne sie erneut mit einer überdurchschnittlichen globalen Beteiligung. Sie mache seit Ausbruch der Coronakrise die Erfahrung, dass sich laufend noch mehr Interessierte aus Asien, Russland und Amerika aber auch aus der Schweiz melden, um online mitbieten zu können.  

«Philatelistische Raritäten werden als lukrative, ergänzende Wertanlagen mit Zusatznutzen neu entdeckt. Sie haben nämlich auch einen hohen historischen, kulturellen und emotionalen Wert. Sie bereiten damit mehrfach Freude. Gerade in Ländern wie China sind sie zu einem Statussymbol geworden.»
Marianne Rapp Ohmann, Rapp Auktionshaus Wil SG
pd. / wil24.ch / jg