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Flawil
24.03.2022
24.03.2022 11:07 Uhr

Lebendiges Stickerquartier: Grosses Interesse

Kronenstrasse 4 einst und heute. Links die Häuserreihe früher, mit der inzwischen abgebrochenen Tonhalle im Hintergrund. Rechts der neu gebaute Hausteil, der sich optimal einordnet. Bild: Gemeinde Flawil
Anfang März 2022 startete das Projekt «Lebendiges Stickerquartier» mit einem Informationsabend und mit der Bildung einer ehrenamtlichen Recherchegruppe. Das Interesse war riesig, die Diskussionen intensiv und spannend.

Das Stickerquartier zwischen der Wilerstrasse im Süden und der Oberdorfstrasse im Norden, sowie zwischen der Rösslistrasse im Osten und der Enzenbühlstrasse im Westen ist bis nach dem Zweiten Weltkrieg organisch gewachsen. Es strahle eine ruhige Harmonie aus, waren doch die meisten Häuser in ähnlicher Grösse, zwei- bis vierstöckig, hatten Giebeldach, wenig Umschwung und meist kleine Vorgärten. Das änderte sich mit dem Wirtschafts- und Bauboom ab den 1960er-Jahren. Das frühere einheitliche Erscheinungsbild des Stickerquartiers ist an vielen Stellen leider verloren gegangen. Der nördliche Teil des Quartiers trägt jedoch noch weitgehend den Ausdruck einer prägenden wirtschaftlichen und kulturellen Vergangenheit und hat damit eine identitätsstiftende Bedeutung für Flawil. Diese will der Gemeinderat erhalten und fördern.

Informationsabend mit voll besetztem Saal

Am 3. März 2022 informierte der Gemeinderat über seine Absichten mit dem Projekt «Lebendiges Stickerquartier». Das Interesse der Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohner sowie weiterer interessierter Personen aus der ganzen Region war riesig. So musste der Anlass aus Platzgründen kurzfristig in den Saal des Restaurants Rössli verlegt werden. Und selbst dieser Saal war mit rund 75 Personen bis auf den letzten Stuhl besetzt. Nach dem einleitenden Referat von Gemeindepräsident Elmar Metzger wurde ausgiebig diskutiert. Es gab viele kritische Wortmeldungen zum Richtplan «Stickerquartier» welchen der Gemeinderat im Mai 2018 in Kraft setzte. Dieser verfehle in den Augen vieler seine Wirkung, weil die Beschränkung der baulichen Möglichkeiten dazu führe, dass die Häuser immer weniger in Schuss gehalten werden und im unglücklichsten Fall verfallen.

Lösungsansatz Handreichungen

Nach dem Informationsteil bildete sich mit der Unterstützung durch Moderator David Keel eine ehrenamtliche Recherchegruppe mit rund einem Dutzend Personen, welche in den kommenden Monaten versucht, Handreichungen für sanierungswillige Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer zu erarbeiten. Die Handreichungen sind als Hinweise zu verstehen, wie ein Stickerhaus richtplankonform, ökonomisch und ökologisch vernünftig saniert werden kann. Zum Beispiel in Form von Checklisten, baulichen Hinweisen oder von Listen mit Architektenteams und Handwerksbetrieben, welche etwas von der Sanierung dieser Häuser verstehen. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis zu den Sommerferien dauern. Später sollen die Handreichungen auf der Website der Gemeinde Flawil allen zugänglich sein.

Aufmerksamkeit für das Stickerquartier wecken

Schon bald soll eine zweite Arbeitsgruppe ihre Arbeit aufnehmen. Diese soll sich damit auseinandersetzen, wie dem Stickerquartier mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden kann. Einerseits durch die Stärkung des Selbstbewusstseins im Quartier, und andererseits indem das Interesse am Stickerquartier im ganzen Dorf geweckt wird. Denkbar sind historische Führungen durch das Quartier, Ausstellungen oder kleinkulturelle Anlässe und vieles mehr.

Gründung einer Wohn- und Baugenossenschaft

Die Bemühungen des Gemeinderats für das Stickerquartier sollen, abgesehen vom Quartierrichtplan, unterstützend und nicht bestimmend sein. Wenn sich in den nächsten Jahren einige Interessierte zur Gründung einer Wohn- und Baugenossenschaft «Lebendiges Stickerquartier» zusammentun sollten, würde dies durch den Gemeinderat begrüsst. Es ist denkbar, dass die Gemeinde die drei gemeindeeigenen Häuser im Stickerquartier in eine solche Wohn- und Baugenossenschaft «Lebendiges Stickerquartier» einbringen würde.

Gemeinde Flawil