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Lifestyle
06.04.2022
08.04.2022 17:36 Uhr

Hotels für nützliche Insekten

Heutzutage selten: Totholz, ein natürlicher Unterschlupf für vielerlei Insekten. Bild: Pixabay
Trotz frostigen Startschwierigkeiten hält der Frühling Einzug – und mit ihm erwachen eine Vielzahl von Insekten. Da ihr Lebensraum immer knapper wird, sind Insektenhotels eine willkommene Ergänzung. Diese lassen sich sogar auf dem Balkon platzieren.

Viele Insekten benötigen für ihre Gedeihen einen geeigneten Unterschlupf. Da Lehmtrockenhänge und Totholz in der heutigen Tendenz zu «aufgeräumten Landschaften» immer seltener werden, finden die nützlichen Krabbeltiere immer seltener einen natürlichen Lebensraum. Auch mit Pestiziden behandelte Äcker und Wiesen machen ihnen das Leben schwer. Auch wenn sie von einigen als «Alibi-Übung» verschrien sind und die Probleme der abnehmenden Biodiversität nicht lösen können: Insektenhotels bieten einer Vielzahl von Tieren einen Unterschlupf und Brutplatz. Dafür eigenen sich sowohl im Handel fertig angebotene Modelle wie auch ein Eigenbau.

 

Diese Unterkunft eignet sich besonders für Mauerbienen. Bild: Pixabay

Ausser zwischen November und März herrscht in Insektenhäusern immer reger «Zügel-Betrieb». Im Winter dienen sie unter anderem Marienkäfern, gewissen Schmetterlingsarten und Florfliegen eine Überwinterungshilfe. Darum sollte man sie im Herbst nicht wegräumen. Besser ist es, die Röhrengänge mit einem Pfeifenreiniger zu putzen, sobald die Insekten ausgezogen sind. So stehen sie für einen Neubezug bereit. Gerade Wildbienen bevorzugen saubere Gänge. Bereits benutzte meiden sie sonst in der Regel. Dass die Materialen nicht mit chemischen Reinigungs- und Holzschutzmitteln behandelt werden sollen, versteht sich von selbst. Auch Spinnweben sollten regelmässig entfernt werden. Gerade die Kreuzspinne lauert gerne in ihrem Radnetz vor den Eingängen von Insektenhotels auf fette Beute.

Warmer, geschützter Standort

Der geeignete Standort für ein Insektenhotel ist wettergeschützt und sonnig. Der Eingang sollte möglichst nach Südosten ausgerichtet sein. So können die nützlichen Krabbeltierchen von ausreichend Brutwärme profitieren und sind vor Witterung einigermassen geschützt.

Auch Schilfrohr oder Bambus eignet sich zum Bau eines Insektenhotels. Bild: Pixabay

Viele Insekten lieben röhrenförmige Nistgänge. Diese können aus Karton geformt sein, oder aus natürlichen röhrenförmigen Pflanzenteilen wie Bambus oder Schilf bestehen. Auch zylindrische gebohrte Sacklöcher in gebranntem Ton oder Holzbeton eigenen sich. Hohllochziegel dienen ihnen hingegen nicht. Auch Bohrungen längs der Holzfasern ins Stirnholz von Baumscheiben bieten den Insekten keinen Unterschlupf. Im Gegenteil: Hier sind splitterfreie Löcher kaum möglich. Die feinen Holzsplitter können die Tierchen verletzen. Die Bohrungen sollten darum immer quer zur Holzfaser erfolgen und mit einem sehr scharfen Bohrer ausgeführt werden. Nur wenn die Löcher glatt sind, erfüllen sie ihren Zweck.

Im Frühling Nützlinge anlocken

Das bekannteste unter den Insektenhäusern ist sicher das Wildbienenhotel. Wildbienen erwachen meist früh aus der Winterruhe, darum empfiehlt es sich, ihre Hotels bereits im März aufzustellen. Andere Nützlinge wie Ohrwürmer, Hummeln, Schlupfwespen, Florfliegen und viele mehr ziehen auch gerne etwas später ein. Sie leisten im Garten nicht nur Bestäubungshilfe, einige Arten helfen auch Schadinsekten zu dezimieren. Darum ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um ihnen Unterschlupf zu gewähren.

Die Florfliege ist ein begehrter Nützling im Garten. Bild: Pixabay

Das Insektenhotel sollte auf einer Höhe zwischen 50 Zentimetern und rund einem Meter Höhe hängen und eine freie Anflugschneise bieten. Einige der Tiere benötigen Lehm oder Sand, um ihre Brutröhren zu verschliessen. Auch Wasser sollte ihnen zur Verfügung stehen – Die Tiere bedienen sich gerne an Vogel- oder Insektentränken. Natürlich sollte auch genügend Nahrung in Form von Blütenpflanzen in der Nähe zur Verfügung stehen. Wer sein Insektenhotel nicht im Garten, sondern auf dem Balkon aufhängt, ist darum zusätzlich botanisch gefordert. Neben dem beliebten Basilikum sollten darum auch ständig blühende Nutz- und Zierpflanzen Platz finden. Sonst besteht die Gefahr, dass die kleinen Helfer und ihre Brut verhungern. Fehlt das Nahrungsangebot ganz, ziehen sie in der Regel gar nicht erst ein. Wer sie anlocken möchte, sollte darum für einen möglichst reich gedeckten Blumen-Tisch sorgen. 

Für den Artikel verwendete Quellen: Birdlife.ch wikipedia, vogeltreff24.de, nabu.de, nabu-weserbergland.de, plantura.garden 

Franziska Kohler / gossau24.ch