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Kultur
10.05.2022

Niederbüren ist stolz auf sein Textilmuseum

Der Vorstand: vorne v. l. Werner Koller, Christine Freydl-Kuster und Daniela Bieri; hinten v. l. Niklaus Hollenstein, Präsident Richard Holenstein und Felix Düring. Bild: Ernst Inauen
An der Generalversammlung des Vereins Textilmuseum Sorntal wurde im Rahmenprogramm eine Auswahl von attraktiven Exponaten präsentiert. Die Mitglieder genehmigten alle Anträge und bestätigten den Vorstand für eine weitere Amtsdauer.

von Ernst Inauen

Vereinspräsident Richard Holenstein konnte im Gemeindesaal Niederbüren über 60 Mitglieder zur GV begrüssen, die in den beiden letzten Jahren coronabedingt nur auf schriftlichem Weg stattfand. Er entschuldigte den Museumsgründer und Kurator Gottlob Lutz, der leider aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte. In seinem Jahresbericht gab Holenstein bekannt, dass infolge der Corona-Einschränkungen im Jahr 2021 nur 294 Besucherinnen und Besucher durch das einzigartige Textilmuseum geführt werden konnten. Regelmässig wurden die Vereinsmitglieder mit Newslettern, welche von Vorstandsmitglied Daniela Bieri redigiert wurden, über die Aktivitäten rund um das Textilmuseum informiert. Werner Koller führte zusammen mit einem Helferteam die Archivierung und Inventarisierung der Exponate weiter. Für die Sortier- und Zwischenlagerung wurden von Werner und Monika Koller Bader kostenlos Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Nun fanden alle Ausstellungsgegenstände, Geräte und Maschinen einen Platz im Museum und im Kulturschutzgüterraum der Gemeinde Niederbüren. Durch die Integration textiler Exponate neben dem technischen Maschinenbereich sei die Attraktivität des Museums nochmals erweitert worden.

An der GV im Gemeindesaal nahmen 61 Mitglieder des Vereins "Textilmuseum Sorntal" teil. Bild: Ernst Inauen

Vorstand wurde einstimmig bestätigt

Im Erdgeschoss des Museumgebäudes seien notwendige Reparaturen und Malerarbeiten ausgeführt worden, berichtete der Präsident. Ausserdem wurden im Sicherheitsbereich Verbesserungen gemacht durch den Austausch der bisherigen Pulverfeuerlöscher durch Wassernebel-Handfeuerlöscher. Kassier Werner Koller erklärte detailliert die Jahresrechnung 2021, welche mit einem leichten Gewinn abschloss. Das Budget 2022 sollte nach der Wiederaufnahme der Führungen nach Meinung des Kassiers verbessert ausfallen. Für diese Führungen und für den Unterhalt sind zusätzlich freiwillige Helferinnen und Helfer gefragt. Bei den Wahlen stellten sich der gesamte Vorstand und die GPK für eine weitere Amtsdauer zur Verfügung und wurden einstimmig bestätigt. In der Allgemeinen Umfrage meldete sich der ehemalige Niederbürer Othmar Sauter zu Wort. Der langjährige Textilfachmann erzählte aus seinen beruflichen Erfahrungen und bezeugte seinen Stolz auf das Textilmuseum. Präsident Richard Holenstein dankte allen Helferinnen und Helfern für ihren grossen ehrenamtlichen Einsatz. Nach der Versammlung konnten die Teilnehmenden eine Auswahl von Exponaten der erworbenen Sammlung Rita’s Nähtrückli bestaunen und sich bei einem Umtrunk austauschen.

Vielseitige Informationen in den Newslettern

In den Vereins-News erfuhren die Mitglieder regelmässig Neuigkeiten über die Tätigkeit des Vorstands und der Helferinnen und Helfer. Im Herbst 2020 erwarb der Museumsverein die Sammlung Rita’s Nähtrückli. Ein Teil des Materials ist bereits im Textilmuseum Sorntal integriert. Die Sortierung erfolgte nach den Techniken der Herstellung, Hand- und Maschinenarbeiten sowie der Qualität. Dafür waren die Fachkenntnisse von Christina Freydl-Kuster und Christiane Frei sehr nützlich. In den Newslettern werden jeweils bestimmte Handarbeitstechniken vorgestellt. In unserer Region wurde vor allem die Weissstickerei angewendet, welche vor allem in der Appenzeller-Stickerei zur Blüte kam. Aber auch verschiedenste Technik-Variationen aus anderen Regionen zeigen in der Museumsausstellung die Vielfalt des textilen Handwerks.

An der GV präsentierte der Verein eine Auswahl attraktiver Exponate. Bild: Ernst Inauen

"Chum und lueg"

Unter dem Motto „Chum und lueg“ bietet das Textilmuseum an vier weiteren Sonntagen jeweils ab 14:00 Uhr offene Führungen an. Am 15. Juni liegt der Schwerpunkt bei der Vorstellung des Textilmuseums, am 3. Juli bei antiken Nähmaschinen, am 7. August beim Textilmuseum Sorntal und am 4. September bei Flachs.

Beispiele farbig bestickter Werbe-Signete. Bild: Ernst Inauen
Attraktives Mini-Nähatelier, auch für Kinder sehenswert. Bild: Ernst Inauen

Bedeutungsvolle Textil-Geschichte

Die Geschichte des Textilstandortes Sorntal geht bis ins Jahr 1823 zurück. Die Unternehmer Johann Heinrich Staub und Heinrich Honegger gründeten damals eine Spinnerei im Sorntal, worauf 1831 noch Rudolf Wälti einstieg. Ausschlaggebend für den Standort war die vorhandene Wasserkraft. Die Produktion startete mit 7‘000 Spinnspindeln und wurde später auf eine Feinspinnerei umgestellt. Es entstand im Sorntal ein ganzes Ensemble mit Industrieanlage, Fabrikantenhaus im Hochbau, eine Parkanlage, ein Waschhaus, ein Landwirtschaftsbetrieb und ein Arbeiterkosthaus. In den Fabriken wurde Tag und Nacht gearbeitet. Die strenge, vierzehnstündige Arbeit mit nur einer einstündigen Mittagspause wurde mit einem Wochenlohn von ein paar Batzen entschädigt. 1838 erwarb Heinrich Honegger die Anteile seiner Partner und führte das Unternehmen in alleiniger Regie. Die Spinnerei wurde reduziert und durch neue Webstühle ersetzt. Um 1850 liefen auf drei Stockwerken 72 Webstühle. Der Sorntal-Betrieb gehörte damit zu den ältesten mechanischen Webereien im Kanton St.Gallen.

Museumsverein pflegt die Erlebnisstätte der Textiltechnik

Das ehemalige Spinnereigebäude wurde 1994 innen und aussen renoviert und als technisches Textilmuseum eingerichtet. Dieses einmalige Kulturobjekt, welches eine historisch wertvolle Sammlung von Textilmaschinen, Apparaten, Stoffmustern und Dokumenten aus dem 19. / 20. Jahrhundert beherbergt, erhielt als einziges technisches Museum im Kanton St.Gallen die offizielle Anerkennung durch den Bund, was die überregionale Bedeutung unterstreicht. Das gesamte Museumsgut wurde von den ehemaligen Eigentümern kostenlos zur Verfügung gestellt, während der Museumsverein die Liegenschaft und das ehemalige Spinnereigebäude zu fairen Bedingungen erwerben konnte. Der Verein „Textilmuseum Sorntal“ Niederbüren wurde im August 2018 gegründet, nachdem das Stimmvolk von Niederbüren einen Kauf durch die Politische Gemeinde ablehnte, mit der Begründung, dass diese Investition nicht Sache der Gemeinde sei und hohe Unterhaltskosten zu befürchten seien. Der Verein  finanziert nun den Unterhalt mit Mitglieder- und Gönnerbeiträgen, freiwilligen Zuwendungen, sowie aus dem Erlös der Museumsführungen und Veranstaltungen.

Ernst Inauen