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Waldkirch
13.05.2022

Situation der Ukraine-Flüchtlinge in Waldkirch

Die Gemeinde Waldkirch informiert über die aktuelle Lage der Ukraineflüchtlinge.

Seit 2018 hatte sich die Situation im Bereich Asylwesen immer weiter stabilisiert und die Zahlen der Personen aus den bisherigen Flüchtlingsländern haben sukzessive abgenommen. Aufgrund der Kriegswirren in der Ukraine hat sich die Situation seit Ende Februar 2022 drastisch verändert. Millionen von Menschen aus der Ukraine sind auf der Flucht vor dem Krieg. Viele flüchten in die grenznahen Länder, andere kommen zu uns in die Schweiz, um hier Schutz zu suchen, und gelangen so in die verschiedenen Kantone und Gemeinden. Dabei wählen die Flüchtlinge derzeit zwei verschiedene Wege, um in unsere Gemeinde zu gelangen.

Der erste Weg entspricht dem Vorgehen, wie Flüchtlinge bisher auf die Gemeinde verteilt wurden. Dem Kanton werden vom Bund sechs Prozent aller Flüchtlinge zugeteilt, welche vorerst im Zentrum Rosenau in Kirchberg untergebracht werden. Danach werden diese auf die Gemeinden verteilt. Zurzeit kommen täglich rund 40 bis 60 Person im Zentrum Rosenau an und gleich viele Personen werden wiederum auf die 77 St. Galler Gemeinden verteilt.

Der zweite Weg führt über Privatpersonen, die den Flüchtlingen helfen möchten und diesen Wohnraum anbieten. Die Vermittlung erfolgt meist über die Flüchtlingshilfe und/oder andere private Organisationen. Diesen Weg erachten wir als nicht geeignet, weil wir dadurch keine optimale Koordination der Zuteilung und Unterbringung sowie der Registrierung sicherstellen können (Aufnahme von Verwandten/Bekannten ausgenommen). Auf diesem Weg sind ­bereits mehrere Personen in unsere Gemeinde untergebracht worden. Zusammen mit den bisherigen 19 Personen aus anderen Flüchtlingsländern leben, gemäss unseren Informationen, insgesamt 30 Personen aus dem Asylbereich in unserer Gemeinde. Das ist aktuell ein Höchststand.

Zuteilung und Unterbringung der Ukraine-Flüchtlinge

Am Dienstag, 27. April, haben wir vom Zentrum Rosenau fünf Männer aufgenommen und in Zusammenarbeit mit der Leitung der Wohn- und Werkstätten Hasenberg in einer separaten Liegenschaft auf deren Gelände untergebracht.

Die Abteilung Soziales ist zuständig für die Regelung der finanziellen Unterstützung, Organisation und Zuteilung der Unterkunft, aber auch für den Abschluss von Versicherungen und die Integration in unsere Gesellschaft und wenn möglich in den Arbeitsmarkt. Von allen Personen im Asylbereich wird zuerst erwartet, dass sie unsere Sprache lernen. Sobald die Deutschkenntnisse es zulassen, wird versucht, eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt zu finden, oder es wird ein Praktikum für erste Arbeitserfahrungen gesucht. Auch den Flüchtlingen aus der Ukraine wird dieses Vorgehen zuteil. Da diese den Schutzstatus «S» erhalten haben, können sie unmittelbar mit Zustimmung und entsprechender Bewilligung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit dem Arbeitsmarkt zugeführt werden.

Problematiken / Aufruf an die Bevölkerung

Wenn Personen über den offiziellen Weg unserer Gemeinde zugewiesen werden, dann laufen alle Anmeldungen (Versicherungen, finanzielle Unterstützung, Miete, Schule, Deutschkurs usw.) über unsere Abteilung Soziales. Gerade zu Beginn gibt es sehr viel zu organisieren und mit den Flüchtlingen zu besprechen. Man bedenke, sie kommen in ein neues Land und eine neue Umgebung. Gerade in dieser Zeit helfen uns die freiwilligen Helferinnen und Helfer aus unserer Gemeinde sehr und unterstützen uns dort, wo wir an die Grenzen unserer personellen Ressourcen stossen.

Wenn jedoch Personen direkt an private Haushalte vermittelt werden, erhalten wir in der Regel keine Informationen. Sobald wir im Nachgang Kenntnis erhalten, da sich diese Personen registrieren lassen (Schutzstatus «S»), müssen wir diese ungesehen des Kontingents in unserer Gemeinde übernehmen resp. aufnehmen. Das heisst, sie werden unserer Gemeinde automatisch zugeteilt. Damit ist die Abteilung Soziales auch für die Personen in den privaten Haushalten verantwortlich, was ressourcenmässig und in Bezug auf die Bereitstellung von Wohnraum und die Begleitung kaum zu handeln ist. Es zeigt sich bereits jetzt, dass die Flüchtlinge aus der Ukraine länger bleiben werden als ein paar Wochen.

Somit wird das gemeinsame Leben in privaten Haushalten zunehmend eine Herausforderung für die Beherberger und die Flüchtlinge darstellen, da bei der Unterbringung Kultur, Essen, Sprache, Platzbedarf und Privatsphäre tangiert sind.

Das heisst konkret, wir bevorzugen die Aufnahme von Flüchtlingen über die kantonale Stelle, sodass wir die Koordination und Unterstützung von Anfang an sicherstellen können.

Unterstützung/Begleitung

Wir bitten Privatpersonen deshalb, bevor Sie Flüchtlinge bei sich privat aufnehmen, sich mit unserer Abteilung Soziales in Verbindung zu setzen. Es gilt zu klären, wie die Flüchtlinge wohnen sollen, wie lange sie im angebotenen Wohnraum bleiben können und wie sie durch die Gastgeber/-innen begleitet resp. betreut werden. Aktuell suchen wir Wohnungen für Familien von Unterstützungseinheiten von jeweils drei bis fünf Personen, zum Teil mit Haustieren oder Gebrechen. Im Nachgang dazu suchen wir jeweils einen gesamten Hausrat (Möbel, Geschirr, Elektrogeräte, Betten usw.). Damit die Flüchtlinge grössere Strecken auch selbstständig zurücklegen können, sind wir auf der Suche nach älteren, günstigen E-Bikes, Mofas. Zur Begleitung der neuen Familien suchen wir zudem weitere freiwillige Helferinnen und Helfer, die den Flüchtlingen mit Rat und Tat im Alltag beistehen können. Wir wissen aktuell nicht, wie viele Flüchtlinge noch in die Schweiz, den Kanton St. Gallen kommen und der Gemeinde Waldkirch zugeteilt werden. Dies hängt stark von den täglichen Neuzugängen ab.

Dank an die Bevölkerung für Unterstützung und Solidarität

An dieser Stelle möchten wir uns bei den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie der Bevölkerung unserer Gemeinde für die Hilfsbereitschaft und die Solidarität herzlich bedanken. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer im Asylbereich leisten in dieser Zeit grossartige und wertvolle Arbeit. Diese Frauen und Männer investieren viele Stunden für Besuche und wichtige Gespräche. Durch ihr Netzwerk kann immer wieder unbürokratisch und schnell etwas für die Asylsuchenden organisiert werden. Unsere Abteilung Soziales ist auf diese grossartige Unterstützung angewiesen, denn mit den beschränkten Ressourcen wären wir nicht in der Lage, die ganze Flüchtlingssituation, die sich aktuell neu darstellt, zu bewältigen. Von Seiten der Asylsuchenden wird grosse Dankbarkeit geäussert und sie freuen sich, in unserer Gemeinde wohnen zu dürfen.

Gemeinde Waldkirch