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Kultur
29.05.2022
30.05.2022 08:24 Uhr

"Echtes Festival der Begegnung"

Bild: gossau24.ch / yg
Die Organisatoren des Schweizer Gesangsfestivals 2022 in Gossau ziehen ein positives Fazit: 125 Konzerte und gegen 35‘000 begeisterte und begeisternde Besuchende liessen das sgf’22 bei idealem Wetter zu einem eindrücklichen, neuntägigen Festival der Begegnung werden.

Das Schweizer Gesangsfestival 2022 (sgf’22) ist Geschichte. Neun Tage lang sorgten insgesamt 333 Chöre mit über 9000 Sängerinnen und Sänger für eine permanent über Gossau schwebende Klangwolke und brachten die Metropole des Fürstenlandes zum Klingen. Die Schweiz sing, Gossau klingt: Das Motto des sgf’22 wurde in allen Teilen umgesetzt.

Insgesamt 125 Konzerte

Im Zentrum des Gesangsfestivals stand das Singen. An den neun Tagen fanden insgesamt 125 Konzerte statt, darunter 68 Konzerte vor Experten, bei denen sich die Chöre dem Urteil der Expertinnen und Experten der Schweizer Chorvereinigung SCV stellten. In den anschliessenden Expertengesprächen erhielten die Sängerinnen und Sänger ein fachmännisches Urteil in Form aufbauender Kritik. Ohne Beurteilung, dafür geprägt von lautstarkem Applaus gingen die insgesamt 34 Begegnungskonzerte über die Bühnen der verschiedenen Vortragslokale. Dabei trafen sich jeweils drei Chöre zum gegenseitigen Besingen und gemeinsamen Singen. Schliesslich nutzten nicht weniger als 123 Chöre die Gelegenheit, das Publikum auf den beiden Singinseln mit ihren Liedern zu unterhalten. 27 Chöre besuchten zudem die Gossauer Altersheime und beglückten die Seniorinnen und Senioren mit ihren Liedern. Schiesslich waren die 35 Schnupper-Ateliers mit neun Themen - vom Jodeln bis zum Gregorianischem Choral - mehrheitlich ausgebucht. Den musikalischen Höhepunkt bildeten die insgesamt 18 Festkonzerte in der Andreaskirche, im Fürstenlandsaal und vor allem im Zirkuszelt.

„Überall übers Kreuz gedacht“

„Die Musikkommission des sgf’22 hat in ihrem Festival-Konzept die guten Erfahrungen vom Gesangsfest in Meiringen sowie die Ideen von CHorama, dem Dachverband aller Schweizer Chorvereinigungen, berücksichtigt“, erklärt Guido Helbling, Ressortleiter Musik des sgf’22 und damit verantwortlich für den Inhalt des Gesangsfestivals. „Wir wollten ein Fest der Begegnung organisieren. Und ich darf feststellen, dass das uns in allen Belangen gelungen ist. Erstmals stellten sich jeweils vier Chöre zusammen dem Urteil der Experten, erstmals trafen sich je drei Chöre zum ungezwungenen, gemeinsamen Singen. Und erstmals ist es gelungen, jugendliche Sängerinnen und Sänger mit Erwachsenen-Chören zusammen zu bringen. Wir haben versucht, bei der inhaltlichen Organisation des Festivals überall übers Kreuz zu denken.“ Da sei sehr gut gelungen, zieht Guido Helbling ein erstes musikalisches Fazit. „Was wir während der neun Festivaltage gehört und gesehen haben, war übergreifend in verschiedenster Hinsicht – die Generationen, die Chor-Arten und die Sing-Stile. So haben wir auf höchstem Niveau vom Schweizer Jugendchor moderne Schweizer Klassik gehört und im letzten Konzert von BLISS reinen Pop. Und auf der Querachse haben sich klassische Männerchöre mit ihrem traditionellen Liedprogramm, aber auch die jungen Stimmen des Boys Choir Luzern mit neuen lebendigen Liedkompositionen präsentiert.“ Daneben haben sich klassische Männerchöre mit ihrem traditionellen Liedprogramm wie auch junge Stimmen mit neuen Liedern präsentiert.“

Wurzeln in den Schulen setzen

Überhaupt liegt Guido Helbling der Chor-Nachwuchs am Herzen. „Wir müssen etwas tun, damit in unseren Schulen wieder vermehrt gesungen wird“, meint der pensionierte Musiklehrer am Gymnasium Friedberg in Gossau. „Die drei Zwischentage am Gesangsfestival mit den fünf öffentlichen Konzerten der 1288 Gossauer Schülerinnen und Schülern haben mir deshalb grossen Eindruck gemacht. Was Markus Giger mit den Lehrerinnen und Lehrern der Gossauer Schulhäuser auf die Beine gestellt hat, ist beispielhaft und verdient Dank und grossen Respekt. Das meine ich, wenn ich sage, dass wir die Wurzeln für das künftige Chorwesen in den Schulen setzen müssen.“

Viel Lob für die Organisation

„Wir durften an den sechs Festivaltagen und an den drei Schüler-Tagen eine fröhliche, ja fast euphorische Stimmung erleben“, zieht Rolf Hefti, Präsident des Trägervereins sgf’22 ein erstes Fazit aus organisatorischer Sicht. „Wir konnten unser Konzept mit dem Motto der Begegnung in allen Teilen umsetzen. Und was mich besonders freut: Wir haben von den Teilnehmenden und den Besuchern extrem viele positive Feedbacks für die Organisation des Gesangsfestivals erhalten. Hervorgehoben wurde das perfekte Festgelände mit dem Raiffeisen-Zirkuszelt im Zentrum, die perfekt organisierten Abläufe, die Freundlichkeit der Helferinnen und Helfer und vor allem die Gastfreundschaft der Chor-Guides.“

Eindrückliche Zahlen

Zum Fazit gehören auch einige Zahlen: An den neun Festivaltagen strömten insgesamt gegen 35‘000 Personen aufs Festgelände im Zentrum von Gossau. Sie konsumierten rund 5500 Würste und 3000 Sandwiches und sorgten in den fünf Festbeizen für viel Betrieb. Im separaten Bankettzelt wurden an die teilnehmenden Sängerinnen und Sänger rund 9000 Mahlzeiten ausgegeben. Die über 1200 Helferinnen und Helfer leisteten insgesamt rund 16‘000 Arbeitsstunden.
Die Teilnehmenden und die Besucher reisten mehrheitlich mit dem ÖV oder in Bussen an. Was dazu führte, dass die von der Kantonspolizei geforderten 1500 Parkplätze über die Festivaltage von geschätzten 200 Fahrzeugen benutzt wurden.

Spuren beseitigen

„Am Montag müssen die Gossauer Schüler ihre Schulzimmer wieder benützen können“, meint sgf'22-Bauchef Peter Holenstein. „Deshalb haben wir schon am Sonntagmorgen um 9 Uhr – also keine zehn Stunden nach Verklingen der letzten Töne – mit dem Rückbau begonnen.“ 25 freiwillige Helfer befreiten zuerst die Vortragslokale und Einsinglokale in den Sälen und Schulhäusern von den Spuren des sgf'22.
Anschliessend räumten sie den Pausenhof des Gallus-Schulhauses, bevor sie sich an den Rückbau der Gastrozelte machten. Ab Montag werden die Freiwilligen durch 37 Mann vom Zivilschutz unterstützt. Das Ziel des Bauchefs ist es, das Festgelände bis Dienstagabend von den gröbsten Spuren befreit zu haben. Holenstein: „Am Mittwoch erledigen wir nur noch Feinarbeiten.“
Der Abbau des Raiffeisen-Zeltes im Zentrum des Festgeländes erfolgt ab Mittwoch durch das Personal des Zeltvermieters und dauert rund zwei Tage. Am nächsten Freitag wird dann nur noch die etwas mitgenommene Bundwiese daran erinnern, dass sich während neun Tagen 333 Chöre mit über 9000 Sängerinnen und Sängern in Gossau zu ihrem „Eidgenössischen“ getroffen haben. Und auch die Bundwiese wird spätestens nach zwei Wochen nicht mehr an die Beanspruchung durch das Gesangsfestival erinnern...

Bild: gossau24.ch / yg
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Bild: gossau24.ch
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pd.