Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Kanton SG
29.06.2022

Staat Polen kauft Schwanen Rapperswil

Schwanen-Besitzer Quirino Riva (Bild oben rechts) verkaufte das Rapperswiler Traditionshaus am Seequai Anfang dieser Woche an den polnischen Staat. Bild: Linth24
Das historische Hotel Schwanen am Seequai in Rapperswil wurde letzten Montag an den polnischen Staat verkauft. Eigentümer Quirino Riva sagt, es sei ein Entscheid der Vernunft gewesen.

von Bruno Hug

Was viele nur nach dem ersten, tiefen Durchatmen glauben: Das historische Rapperswiler Hotel Schwanen ist verkauft. Und zwar nicht an einen schweizerischen oder ausländischen Milliardär, und auch nicht an eine berühmte Hotelkette, sondern an den Staat Polen.

Der frühere Architekt und Unternehmer Quirino Riva besitzt das neben dem Schloss markanteste Gebäude der Stadt – anfänglich zusammen mit weiteren hiesigen Gewerbetreibenden – seit 1969. Über lange Jahre führte seine Frau Margrit Riva-Toller das Hotel mit grosser Umsicht. Auch Quirino Riva selbst hat in den Schwanen über Jahrzehnte viel Herzblut und natürlich auch viel Geld investiert. Nach dem Tod seiner Frau schloss er das traditionsreiche Haus am 16. Dezember 2016.

Schwanen zum Leben erwecken

Nach der Stilllegung rankten um das bekannte Hotel alle ein, zwei Jahre neue Gerüchte um eine mögliche Wiedereröffnung. Und jeder, der am bald sechs Jahre geschlossenen Hotel vorbeiging, oder sich mit Rapperswil beschäftigte, fragte: „Wann öffnet der Schwanen endlich wieder?“
Nun ist klar, das Haus soll – künftig unter polnischer Hand – wieder zum gesellschaftlichen und gastronomischen Leben erweckt werden.

Warum hat Quirino Riva verkauft?

Warum verkaufte Quirino Riva den Schwanen, und warum genau jetzt – und an einen Staat? Dazu sagt Riva, in seiner Familie habe es niemanden, der an der Gastronomie interessiert sei. Er habe deshalb über die letzten Jahre immer wieder versucht, Pächter zu finden, und mit vielen Schweizer Gastro-Unternehmen Projekte gewälzt. Auch mit Investoren. Aber es habe sich nie eine richtige Lösung ergeben.

Eineinhalb Jahre mit Polen im Gespräch

Vor eineinhalb Jahren sei über die Botschaft in Bern und insbesondere über deren Botschafterin der Staat Polen auf ihn zugekommen. Daraus habe sich eine gute Beziehung zwischen ihm als Verkäufer und dem polnischen Staat als Käuferin des Schwanen-Komplexes ergeben. Der polnische Staat habe, so Quirino Riva, „genügend Kraft und auch den Willen“, um in den Schwanen zu investieren. Immerhin seien nach Fachschätzungen mehrere Millionen Franken erforderlich, um das Hotel zeitgemäss umzubauen und auszustatten.

Und der Preis, der für den Schwanen bezahlt wurde? Selbstverständlich schweigen sich die beiden Parteien darüber aus. Quirino Riva sagt dazu nur, der Verkauf sei für ihn kein Geldentscheid sondern ein Entscheid der Vernunft und des Herzens gewesen.

Was will Polen mit dem Schwanen?

Und was wollen die Polen mit dem Schwanen? Einerseits ist klar: Rapperswil hat für den Staat Polen grosse Bedeutung. Das in der Vergangenheit von fremden Mächten immer wieder gebeutelte Land sieht die Rosenstadt seit der Übernahme des Schlosses durch Graf Wladyslaw Plater als einen Teil seiner polnischen Identität. Dies hat aktuell mit dem Griff des russischen Staates nach der Ukraine noch an Bedeutung gewonnen.

Eine Leistung, die Respekt verdient

Im Schwanen soll die Gastronomie und der Hotelbetrieb wieder aufgenommen und in einem kleineren Teil des Hauses ein polnisches Museum eingerichtet werden. In nächster Zeit will der Staat Polen über die Zukunft des Schwanen informieren.

Nach dem Auszug des Polenmuseums aus dem Schloss Rapperswil finden die Polen ihre Bleibe somit im Hotel Schwanen. Viele werden darüber staunen. Auf der anderen Seite ist jedoch ohne Wenn und Aber zu anerkennen: Die Polen waren die Tüchtigsten. Viele waren am Schwanen-Komplex interessiert, wollten ihn kaufen oder pachten. Aber nur den Polen ist es gelungen, nach dem Schloss das zweitbeste Haus in der historischen Stadt Rapperswil zu erstehen. Das ist eine Leistung, die Respekt verdient.

Morgen lesen Sie auf Linth24 die bewegte, über 600-jährige Geschichte des Hotels Schwanen, Rapperswil. 

Und übermorgen, wie der Schwanen schon seit 150 Jahren mit den Polen verbunden ist.

Bruno Hug