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Wirtschaft
02.07.2022
04.07.2022 10:51 Uhr

Aktienmärkte: Anhaltender Verkaufsdruck

«Im ersten Halbjahr 2022 hat sich der Aktienbörse überdurchschnittlich schlecht entwickelt», stellt Christopher Chandiramani fest. Bild: Linth24
Die Verkaufswelle hält an – Inflation, Rezessionsängste und Energiekrise setzten den Aktienmärkten weiterhin stark zu. Der Pessimismus überwiegt und die Investoren rechnen auch in Zukunft mit schwachen Kursen.

Die Inflation in der Eurozone hat im Juni mit 8.6 Prozent im Jahresvergleich einen neuen Rekord erreicht, in den Baltischen Staaten betrug sie sogar 20 Prozent. Aber Lichtblicke gibt es in Deutschland: Die Teuerung ist im Juni ist auf 7.6 Prozent leicht gefallen dank steuerlichen Verbilligungen von Energie und Treibstoffen sowie dem 9-Euro-Ticket der Bahn.

Eine Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank EZB steht bevor. Beobachter warten gespannt auf das Ausmass der Anhebung, oder ob die EZB weiterhin auf die Überschuldung Südeuropas Rücksicht nimmt.

Der Bundesrat hat den Energie-Notfallplan für den Winter 2022-23 (Gas und Strom) vorgestellt, empfiehlt Sparsamkeit, notfalls wären Kontingente nicht ausgeschlossen.

Die Corona-Fallzahlen nehmen wieder zu, Virologen empfehlen wieder Maskenpflicht und Impfungen. Der Bundesrat sieht noch keinen Handlungsbedarf. Auch China lockert seine Massnahmen.

Das höchste US-Gericht (Supreme Court) bremst die amerikanische Klimapolitik aus. US-Präsident Biden kann seine Umweltpolitik nicht wie geplant realisieren. Die Kompetenzen der Regierung werden eingeschränkt, für alle US-Staaten verbindliche Vorschriften für CO₂-Emissionen festzulegen.

Bei den Währungen sinkt der EUR seit längerer Zeit wieder zeitweise unter das Verhältnis 1:1, der USD erreichte sogar 0.96, die Schweizer Währung wird wieder als sicherer Hafen betrachtet. Ausgelöst durch den Druck auf die Aktien sind auch Kryptowährungen auf neue Jahrestiefstkurse gefallen. Erdölpreise schwankten aufgrund abnehmender Reserven und einer bevorstehenden OPEC-Konferenz.

Unternehmensnachrichten

Der Pharmakonzern Novartis hat über die angekündigte Kündigungswelle informiert: In Basel verlieren offenbar mehr als 10 Prozent des Personals in den nächsten drei Jahren ihren Arbeitsplatz, eine Streichung von bis zu 1'400, weltweit sogar 8'000 Stellen. Offenbar bereitet Novartis auch eine Abspaltung und eine separate Aktienplatzierung der Generikagruppe Sandoz vor.

Der Pharmazulieferer Lonza möchte den Standort Stein (Kanton Aargau) ausbauen, eine halbe Milliarde investieren für Abfüllanlagen und ab dem Jahr 2026 über 600 Arbeitsplätze schaffen.

Die Swiss streicht 674 Flüge im Sommer wegen Personalmangels. Die Muttergesellschaft Lufthansa entschuldigt sich für das Chaos an den Flughäfen und will Verbesserungen durchsetzen.

Barry Callebaut (SIX-börsenkotiert), wichtigster Roh-Schokoladen-Hersteller, musste in Belgien zeitweise die Produktion einstellen; Salmonellen waren Ursache. Das Unternehmen beliefert die grösseren internationalen Markenhersteller und Confiserien. Die Detailkunden sind aber davon verschont geblieben, wird präzisiert.

Der Hersteller von Autozubehör Autoneum erhält den prominenten Grossaktionär. Martin Haefner, Amag-Autoimporteur. Er hat eine Beteiligung von 3.1 Prozent am Zulieferer Autoneum erworben.

Der Batteriehersteller Leclanché konnte seine Überschuldungssituation dank des Grossaktionärs Sefam vorerst beheben. Die Firma hat sich auf E-Mobilität spezialisiert, vor allem auch Batterien für Schiffsmotoren.

Aufgrund der gestiegenen Hypothekarzinsen rechnen die Kantonalbanken mit besseren Margen im Kreditgeschäft.

Rückblick und Ausblick

Im ersten Halbjahr 2022 hat sich der Aktienbörse überdurchschnittlich schlecht entwickelt. Der SMI fiel um 17 Prozent, insbesondere Aktien wie Sika, Lonza, Geberit, Partners Group, Credit Suisse sowie von Luxusgütern. Einige Technologiewerte fielen bis zu einem Drittel – der grösste Verlust seit Beginn der Corona-Krise. Ein giftiger Cocktail von schlechten Nachrichten aus Politik und Wirtschaft hat die Märkte belastet, vor allem Krieg, Leitzinserhöhungen, Energiekrise, Rezessionsängste, Lieferengpässe und Fachkräftemangel.

Auch vorerst und in naher Zukunft erwarten Experten keine Besserung, aber Hoffnungen auf ein Kriegsende bestehen, fallende Energiepreise und weniger Inflation. Das Anlageklima bleibt entsprechend getrübt.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24