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Wirtschaft
23.07.2022

Aktienbörse: Leicht erholt auf der Suche nach Stabilität

Christopher Chandiramani: «Die Märkte scheinen jetzt aber mehrheitlich Boden gefunden zu haben.» Bild: zVg.
Infolge verschiedener guter Unternehmensmeldungen hat der Handel vorerst Boden gefunden, sich sogar leicht verbessert. Inflation, Leitzinserhöhungen, Regierungskrisen sowie Angst vor einer Energielücke im Winter haben aber weiterhin belastet.

Die Europäische Zentralbank EZB hat am Donnerstag den Leitzins um 0.5 Prozent angehoben, eine erste Erhöhung nach 11 Jahren. Die Teuerung im EU-Raum ist auf rund 8 Prozent angestiegen, die höchste seit 40 Jahren, aber es dürfte aber schwierig sein, die hohen Energiepreise zu dämpfen. Vielmehr besteht das Risiko, die Rezession und eine Verschuldungskrise in Südeuropa zu verstärken.
In Grossbritannien hat Boris Johnson seinen Rücktritt erklärt. Ebenso in Italien gibt Ministerpräsident Mario Draghi auf. Im Oktober sind Neuwahlen vorgesehen. Beobachter rechnen hier mit einem Rechtsrutsch.   
Frankreich will die hohen Energiepreise und Heizölschocks der Mieter mit höheren Sozialzahlungen dämpfen.   
Die Erdgaspipeline Nord Stream 1 ist repariert. Das Gas fliesst wieder zwischen Russland und Europa, aber mit grosser Ungewissheit (Boykotte oder Abschaltungen) für die Zukunft. Ein „kalten Winter“ wäre denkbar.
Ein Funken Hoffnung – ein Getreideabkommen zwischen Russland und der Ukraine konnten unter der Schirmherrschaft der UNO und der Türkei ausgehandelt werden.
Die Leitzinserhöhungen führten zu Schwankungen bei den Währungen. Gegen Zum Wochenende bezahle man für einen EUR 0.9840 und einen Dollar 0.966 in CHF. Ein Bitcoin kostete USD 23‘550, eine Erholung im Vergleich zur Vorwoche. Gold und Erdöl tendierten leicht schwächer.

Unternehmensmeldungen und Halbjahreszahlen

Von Januar bis Juni steigerte Lonza den Umsatz um 17.3 Prozent auf CHF 2.98 Mrd. Franken. Zum Umsatzwachstum trug speziell die Zulieferung von Rohstoffen an verschiedene Impfstoffhersteller bei. Lonza investiert weiterhin ins zukünftige Wachstum.
Die Bauchemie- und Klebstoffherstellerin Sika hat im ersten Halbjahr 2022 neue Rekordwerte beim Umsatz (CHF 5.25 Mrd.) und Gewinn (598.8 Mio.) erreicht, Steigerungen um je 20 Prozent, aber unter Berücksichtigung von Sondererträgen aus Devestitionen.
Beim Schaffhauser Industriekonzern Georg Fischer erreichte im ersten Semester 2022 einen Umsatz von CHF 1,97 Mrd. einem Plus von 11 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Der Bestellungseingang zog ebenfalls um über 11 Prozent auf CHF 2.21 Mrd. auf ein neues Rekordniveau an.
Der Umsatz des Zuger Verbindungsherstellers Bossard stieg im ersten Halbjahr um 18.4 Prozent auf CHF 586 Mio. Per Saldo stieg der Reingewinn auf CHF 59.9 Mio. (Vj . 52.6 Mio.).
Der Lifthersteller Schindler hat hingegen die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Durch Lockdown in China und Lieferkettenproblemen wurden Umsatz und Ertrag gebremst. Sesselrücken – die neue Finanzchefin Carla de Geyseleer ersetzt Urs Scheidegger.
Beim Chemie- und Pharmariesen Roche wechselt CEO Severin Schwan zum neuen Posten als Präsident des Verwaltungsrats.
Die Bank Julius Bär stoppt den Negativzinsen für ihre Kunden ab 1. August.
Beim Reiseveranstalter Lastminute (LM Gruppe) hat die Tessiner Staatsanwaltschaft eine Razzia und Verhaftungen vorgenommen. Es ging angeblich um zu Unecht bezogene Entschädigungen für Kurzarbeits-Entschädigungen während Corona.   

Aussichten

Der SMI hat in diesem Jahr per Saldo 13.5 Prozent verloren. Die Märkte scheinen jetzt aber mehrheitlich Boden gefunden zu haben. Die Halbjahresergebnisse waren mehrheitlich positiv und stützen. Alte  Probleme blieben unverändert, Krieg, Teuerung, Lieferengpässe, Personalmangel, Angst vor einem Corona-Herbst. Neu dazugekommen ist das Risiko einer massiven Energielücke, dies bezüglich Gas und Strom im kommenden Winter mit allen Nebeneffekten. Es wird geschätzt, dass eine Stunde ohne Strom die Schweiz CHF 100 Mio. kosten könnte. Die Situation dürfte den weiteren Verkauf der Aktienmärkte beeinflussen. Die Politik muss rasch handeln, Lösungen erarbeiten und umsetzen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst