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Wirtschaft
28.07.2022
05.08.2022 13:10 Uhr

Aktienmärkte: massive Leitzinserhöhungen in den USA

Bild: zVg.
In den USA wurden diese Woche die Leitzinsen um 0.75 Prozent erhöht. Zahlreiche Unternehmungen präsentierten ihre Halbjahresabschlüsse. Die Euroschwäche hält an.

Die US-Notenbank FED hat den Leitzins wiederum kräftig um 0.75 auf 2.25-2.50 Prozentpunkte angehoben, dies als verstärkter Kampf gegen die hohe Inflation. Weitere Erhöhungen wurden angekündigt. Ökonomen sind überrascht vom Ausmass und Tempo des Zinsanstiegs.
Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal erneut geschrumpft – und rutscht somit in eine Rezession ab. Der Arbeitsmarkt zeigt sich allerdings weiterhin robust.
Die Inflation im Euroraum steigt weiter auf 8.9 Prozent im Juli, 8.6 waren es im Juni, 8.1 im Mai.
Die Forschungsstelle der ETH (KOF) erwartet schwarze Wolken am Konjunkturhorizont für den kommenden Herbst und Winter.
Der Bundesrat möchte sich den Energiesparzielen der EU anschliessen, beim Gas den Verbrauch um 15 Prozent zu senken.
Der SMI bewegte sich trotz schwierigem Umfeld knapp unter 11‘200 Punkten, leicht über der Vorwoche.

Unternehmensnachrichten und Halbjahresergebnisse

Bei der Credit Suisse tritt Thomas Gottstein überraschend als Chef zurück, Ulrich Körner übernimmt die Führung. Die Bank weist einen grossen Quartalsverlust aus und will nun die Strategie radikal überarbeiten. Der Zementhersteller Holcim erreicht dank acht Akquisitionen neue Rekorde. Im ersten Halbjahr 2022 stieg der Umsatz auf CHF 14.7 Mrd., ein Plus von 16.9 Prozent gegenüber Vorjahr. Der Reingewinn stieg auf CHF 1.2 Mrd., ein Wachstum von 38 Prozent.

Swiss Re konnte sich von der Schwäche zu Jahresbeginn erholen. Der drittgrösste Rückversicherer der Welt erzielte im ersten Halbjahr einen kleinen Reingewinn von USD 157 Mio. (Vorjahr über 1 Mrd.)
Der Maschinenbaukonzern Sulzer hat den Bestellungseingang im ersten Semester um 12 Prozent auf CHF 1.73 Mrd. verbessert. Der Umsatz betrug 1.5 Mrd. Wegen Betriebsschliessungen in Polen und Russland war das Semester defizitär. Somit resultierte beim EBIT ein Minus von CHF 25.5 Mio. und beim Reinergebnis ein Fehlbetrag von CHF 48.8 Mio.

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé erzielte im ersten Jahr einen Umsatz von CHF 45.6 Mrd., ein leichtes Plus. Teurere Rohstoffpreise konnten teilweise an die Kunden weitergegeben werden. Die Produktepreise wurden um 6.5 Prozent angehoben. Die Gewinnmarge lag tiefer als im Vorjahr.
Der Westschweizer Maschinenkonzern Bobst macht ein öffentliches Übernahmeangebot. Die Familienaktionäre wollen alle im Publikum befindlichen Aktien kaufen. Der angebotene Preis ist mit CHF 78 jedoch nicht attraktiv.

Beim Innerschweizer Wäschehersteller Calida stieg der Umsatz im ersten Halbjahr um knapp 12 Prozent auf CHF 172.2 Mio. Der Betriebsgewinn (EBIT) verbesserte sich um 13.4 Prozent auf CHF 17.8 Mio. Der Reingewinn lag mit CHF 13.1 Mio. um 3.1 Prozent über Vorjahr. Die Gründerfamilie Kellenberger gedenkt ihren Anteil von 33.5 Prozent verkaufen.

Aussichten

Die Risikofaktoren bleiben hartnäckig, Krieg, Energieversorgung (Strom und Gas), Produktions- und Lieferengpässe und Inflation sowie die Leitzinserhöhungen der Notenbanken. Überrascht hat das Ausmass dieser Zinserhöhungen, weil dabei das Verschuldungsproblem ausser Acht gelassen wurde und die Anzeichen einer Rezession sich verstärken. Die Energiekrise ist jetzt vermehrt in den Schlagzeilen und die Versorgungsängste für den Herbst und Winter nehmen zu. Unklar sind noch die Auswirkungen des heissen Sommers und der Trockenheit. Dies könnte zu weiteren Preiserhöhungen bei den Lebensmitteln führen. Margendruck und Gewinnerosion bei den Unternehmungen ist sind nicht mehr auszuschliessen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24