Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Lifestyle
23.06.2020
23.06.2020 13:23 Uhr

Rechtliche Grundlagen beim Homeoffice – und seine Tücken

Die Corona-Pandemie hat auch in der Ostschweiz zu einem regelrechten Aufschwung des Arbeitsmodells Homeoffice geführt. Doch wer in den eigenen vier Wänden arbeiten möchte oder muss, hat dabei einige rechtliche Tücken zu beachten.

Für manche Menschen war oder ist die Arbeit im Homeoffice ein notwendiges Übel. Es bringt schliesslich auch gewisse Nachteile mit sich, wie den fehlenden Kontakt zu Kollegen, die Ablenkung, beispielsweise durch die Kinder, oder die mangelnde Trennung zwischen Berufs- und Privatleben. Dennoch überwiegen für viele Schweizer die Vorteile, weshalb sie sich die dauerhafte Möglichkeit zur Arbeit im Homeoffice wünschen – zumindest zeitweise. Die Zeit- und Kostenersparnis durch wegfallende Pendlerwege, die grössere Flexibilität oder das fehlende Mikro-Management durch den Chef sind nur einige von vielen Beispielen, inwiefern das Homeoffice den Arbeitsalltag komfortabler machen kann. Ein Recht auf Homeoffice gibt es in der Schweiz allerdings (noch) nicht. Es wird zwar immer wieder diskutiert, doch bislang müssen die Arbeitnehmer auf die freiwillige Zustimmung durch ihren Arbeitgeber hoffen.

Im Homeoffice arbeitet es sich „anders“…

Die Arbeit im Homeoffice ist also grundlegend anders als jene im Büro. Viele Jobs lassen sich heutzutage aber problemlos aus den eigenen vier Wänden erledigen – quasi all jene, die ohnehin hauptsächlich computer- oder internetbasiert stattfinden. Rund ein Drittel der Schweizer wünscht sich daher, zumindest gelegentlich im Homeoffice arbeiten zu können. Bei jenen, welche diese Möglichkeit bereits haben, möchten 85 Prozent daran festhalten oder diese Form der Arbeit noch ausweiten, so die aktuellen Zahlen. Es sind also bislang eher die Arbeitgeber, welche sich dieser Option querstellen. Und das, obwohl das Homeoffice aus ihrer Sicht zufriedenere Mitarbeiter bedeuten würde, was zugleich mehr Loyalität, Motivation und weitere Vorteile bringt. Argumente, die vor allem im aktuellen „War for Talents“ durchaus schlagkräftig sind. Dass sie jedoch noch zögern, scheint (auch) an arbeitsrechtlichen Hürden zu liegen.

…auch aus arbeitsrechtlicher Sicht

Wenn ein Mitarbeiter ganz oder teilweise ins Homeoffice wechselt, bringt das nämlich in vielerlei Hinsicht grosse Veränderungen mit sich. Zudem tritt häufig das Problem auf, dass einige Dinge schlichtweg nicht im Arbeitsvertrag geregelt sind oder es zu Missverständissen rund um das Homeoffice kommt. Wo es nämlich an entsprechenden Klauseln im Arbeitsvertrag fehlt, ist der Arbeitgeber durch die Gesetze derzeit schlechter gestellt, wenn er das Homeoffice ermöglicht – im Gegensatz zur klassischen Arbeit im Büro. Das beste Beispiel hierfür ist, dass der Arbeitgeber theoretisch einen Teil der Miete des Mitarbeiters übernehmen müsste, wenn er diesen ins Homeoffice schickt. Anders sieht das natürlich aus, wenn sich der Arbeitnehmer freiwillig für diese Option entscheidet. Dann allerdings stehen weitere Fragen im Raum, zum Beispiel: Wer übernimmt die Kosten für das Büromaterial oder wie sieht es mit Spesen aus? Noch komplizierter wird es, wenn der Mitarbeiter seine Arbeit im Ausland verrichtet.

Die rechtlichen Tücken beim Homeoffice

Sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer sollten also daran interessiert sein, diese rechtlichen Hürden gemeinsam zu überwinden, damit beide Seiten von der Homeoffice-Regelung profitieren können. Es lohnt sich daher ein Überblick über die wichtigsten Tücken und deren potenzielle Lösungen:

  • Da im Gesetz weder ein Recht auf Homeoffice noch konkrete Regelungen zu den Pflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei diesem Arbeitsmodell enthalten sind, sollten diese schriftlich festgehalten werden. Nur so kann für beide Seiten Rechtssicherheit hergestellt werden.
  • Hierbei gilt es auch, eine Kostenregelung zu treffen. Denn prinzipiell muss der Arbeitgeber eine Entschädigung bezahlen, wenn der Arbeitnehmer seine privaten Geräte, Materialien & Co für die Arbeit nutzt. Allerdings ist es möglich, den Arbeitnehmer vertraglich zu verpflichten, auf eine solche Entschädigung zu verzichten. Dennoch ist es natürlich sinnvoll, in gewissen Fällen das Büromaterial (ganz oder teilweise) zu stellen. Das gilt vor allem dann, wenn dieses der Corporate Identity entsprechen soll, beispielsweise bei bedruckten Visitenkarten oder Briefumschlägen. Auch Zwischenlösungen sind daher möglich und oftmals sinnvoll.
  • Wenn es um die Spesen geht, kann der Arbeitgeber keine entsprechende Regelung treffen. Er ist somit immer verpflichtet, einen Auslagenersatz zu bezahlen. Das gilt allerdings nur, wenn er dem Mitarbeiter keinen Arbeitsplatz im Unternehmen zur Verfügung stellt. Entscheidet sich dieser hingegen freiwillig für das Homeoffice, steht ihm keine finanzielle Entschädigung zu.
  • Wohnt der Arbeitnehmer im Ausland, zum Beispiel in Deutschland, und arbeitet von dort aus im Homeoffice, ist es wichtig, eine vertragliche Arbeitszeit im eigenen Zuhause von weniger als 25 Prozent zu vereinbaren. Ansonsten muss der Arbeitgeber die deutschen Sozialabgaben bezahlen. Weiterhin wäre dieses Modell oftmals für die Arbeitnehmer unattraktiv, da sie dann unter Umständen im Ausland steuerpflichtig werden, was ebenfalls erhebliche Mehrkosten bedeuten kann.
  • Seine Arbeitszeit im Homeoffice flexibel einzuteilen, ist zudem nur bedingt möglich beziehungsweise erfordert eine genaue Dokumentation. Denn der Mitarbeiter und der Arbeitgeber müssen nachweisen können, dass die gesetzlichen Arbeits- und Ruhezeiten eingehalten werden – auch ohne direkte Kontrollmöglichkeit durch ein Zeiterfassungssystem.
  • Weiterhin muss der Arbeitgeber den Gesundheitsschutz gewährleisten. Auch diesbezüglich sind also vertragliche Vereinbarungen wichtig, welche das Arbeitsumfeld im Homeoffice regeln, an das sich der Mitarbeiter halten muss.

Zu klären sind ausserdem sämtliche Haftungsfragen sowie der Fall einer Betriebsstörung. Ansonsten herrscht für den Arbeitgeber eventuell eine Lohnzahlungspflicht trotz ausbleibender Arbeit oder es drohen rechtliche Konsequenzen, wenn der Arbeitnehmer eine berufsbedingte Erkrankungen beziehungsweise Verletzung erleidet. So birgt das Homeoffice zwar auch für den Mitarbeiter einige Hürden, vor allem aber für den Arbeitgeber. Das Zögern vieler Schweizer Unternehmen ist dementsprechend nachvollziehbar – jedoch unnötig, wenn die richtigen vertraglichen Grundlagen geschaffen werden. Dass das klassische Büro bereits am Aussterben ist, diesbezüglich gibt es daher für Experten (nicht nur) in der Schweiz keinen Zweifel mehr.

gossau24.ch / jg