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Kanton SG
28.09.2022
29.09.2022 19:48 Uhr

Mehrkosten Theatersanierung - Stellungnahmen

Bild: Tine Edel
Der Kanton erneuert zurzeit das Theater St.Gallen. Nun beantragt die Regierung beim Kantonsrat einen Nachtragskredit von rund 3 Millionen Franken für das Bauvorhaben. Grund dafür sind unerwartete Mehrkosten für die Erneuerung der Audio-, Video- und Kommunikationsanlagen sowie der Theaterscheinwerfer.

Die Sanierung des Theaters St.Gallen ist weit fortgeschritten. Während der Bauausführung stellte das Bau- und Umweltdepartement fest, dass auch die Audio-, Video- und Kommunikationsanlagen zum Grossteil sanierungsbedürftig sind. Deshalb müssen die Anlagen in den nächsten Jahren ersetzt werden. Die Ersatzteile für die alten Anlagen könnten nicht mehr beschafft werden.

Alte Anlagen mit geringer Restlaufzeit in das neu sanierte Gebäude einzubauen und innerhalb von wenigen Jahren nachträglich zu erneuern, wäre unbefriedigend, kostenintensiv und ein Risiko für den Theaterbetrieb. Das ursprüngliche Bauvorhaben beinhaltete die Erneuerung der Anlagen nur rudimentär. Aufgrund der neuen Ausgangslage drängt sich der Ersatz der Anlagen im Zuge der aktuellen Sanierung auf. Deshalb beantragt die Regierung beim Kantonsrat einen Nachtragskredit von 2,96 Millionen Franken.

Die zusätzliche Investition in die Anlagen stellt den Theaterbetrieb langfristig sicher. Die neuen technischen Betriebsanlagen erlauben es, dass bei der Wiedereröffnung des Theaters die Anlagen auf einem zeitgemässen Stand sind. Dies spart nicht nur Kosten bei der Wartung. Auch die Verfügbarkeit von Ersatzmaterial ist gewährleistet. Zudem sinkt der Stromverbrauch dank neuer LED-Scheinwerferanlage deutlich.

Die Reserven aus dem Baukredit können die Mehrkosten nicht decken. Die Terminverzögerung um ein Jahr beanspruchte einen Teil der Reserven. Weiter belasteten die höheren Anforderungen an das Theaterprovisorium die Reserven.

In der Novembersession 2022 soll der Kantonsrat die Vorlage in einer einzigen Lesung beraten. Der Kantonsrat beschliesst endgültig über den Nachtragskredit.

2018 befürwortete das Stimmvolk die Sanierung und Erweiterung des Theaters St.Gallen. Es hiess damals einen Kredit von 48,6 Millionen Franken gut. Die Eröffnung des sanierten und erweiterten Theaters ist im Oktober 2023 geplant.

Stellungnahme der SVP Kanton St.Gallen - "Fass ohne Boden"

2018 bekämpfte die St.Galler SVP den Kredit für die Sanierung des Theaters St.Gallen und bezeichnete es als «Fass ohne Boden». Mit der heutigen Beantragung eines Drei-Millionen-Nachtragskredits sieht sich die SVP bestätigt.

Für die SVP-Fraktion ist es unverständlich, dass das Kreditvolumen von 48,6 Millionen Franken für die Theatersanierung nicht ausreicht und die Regierung  einen Nachtragskredit über weitere drei Millionen Franken beantragen muss, wie die Partei in einem Communiqué schreibt.

Dies obwohl der Kantonsrat die Reserve damals sogar noch erhöhte und somit im Kredit bereits vier Millionen Franken für Unvorhergesehenes eingesetzt wurden.

«Kritik wird Realität»

Damit träfen die Befürchtungen der SVP nun ein, dass das «Flickwerk Theater St.Gallen» weiteren Finanzbedarf mit sich bringt und den St.Galler Steuerzahler noch mehr Geld kostet. «Die kritischen Stimmen, welche von der SVP im Abstimmungskampf im Jahr 2018 angesprochen und von den Befürwortern als falsch bezeichnet wurden, werden nun Realität!», so die Bürgerlichen.

Theaterprovisorium – und niemand will es

Auch das Theaterprovisorium wurde bei der Volksabstimmung zum Theaterkredit von der SVP infrage gestellt. Nachdem die St.Galler Regierung das Provisorium vor rund einem Jahr für eine mögliche Nachfolgelösung ausgeschrieben hatte, sind alle ursprünglich interessierten Gemeinden zwischenzeitlich wieder abgesprungen.

Weitere Interessenten sind aktuell nicht in Sicht, weshalb auch das Bau- und Umweltdepartement gemäss Auskunft von Generalsekretär Samuel Peter im «St.Galler Tagblatt» nicht mehr von einer Nachfolgelösung ausgeht.

Falls dies eintrifft und das teure Provisorium rückgebaut werden muss, kostet dies den Kanton St.Gallen weitere 450'000 Franken. Die SVP-Fraktion hat bereits in der vergangenen Septembersession eine Interpellation zu diesem Thema eingereicht, in der Antworten von der Regierung verlangt werden.

Stellungnahme Jungfreisinnige des Kantons St. Gallen (JFSG)

Sanierung des Theaters St.Gallen - Ein Fass ohne Boden
Nachdem von Seiten der Regierung im Abstimmungskampf 2018 versprochen wurde, dass in den nächsten 15 Jahren keine nennenswerten Investitionen mehr notwendig seien, werden nun drei Millionen Franken Nachtragskredit beantragt. Die Jungfreisinnigen des Kantons St.Gallen (JFSG) haben dieses Versprechen schon damals als unglaubwürdig kritisiert und sehen sich nun in ihrer Ablehnung des Projektes bestätigt. 

Widerlegung der Pro-Argumente aus den früheren Abstimmungskämpfen
2009 bei der Übertragung des Theaters von Stadt zu Kanton wurden Sanierungsbeiträge in Höhe von 8-14 Millionen Franken veranschlagt, später wurde es dann beim Baukredit 48.4 Millionen Franken. Die JFSG sind daher nicht überrascht, dass während den Bauarbeiten noch plötzlich weitere sanierungsbedürftige Einrichtungen gefunden wurden. Lorenzo Friedli, Kampagnenleiter der JFSG meint dazu: „Alle guten Dinge sind Drei. Dieser Nachtragskredit ist nun die dritte Preiserhöhung in diesem Projekt. Diese Salamipolitik in Bezug auf die Sanierungskosten ist täuschend gegenüber der Stimmbevölkerung.“

Lassen sich weitere Sanierungen nicht verhindern?
Beim aktuellen Projekt wird der Zuschauerraum des Theaters nicht angefasst. So verbleiben unter anderem die engen Stuhlreihen. Verschiedene, für einen modernen Theaterbetrieb unabdingbare, digitale Einrichtungen fehlen auch weiterhin. Wie mit dem luxuriösen Theaterprovisorium weiter verfahren wird, ist ebenfalls noch nicht abschliessend geklärt. Die JFSG hinterfragen die Ausarbeitung des an der Urne angenommenen Projektes und stellen die Frage, ob die Stimmbevölkerung damals einer „Katze im Sack“ zugestimmt hat. Daher fordern die JFSG, dass schnellstmöglich vonseiten der Regierung alle weiteren notwendigen Investitionen in das Theater St.Gallen dem Kantonsrat in einer abschliessenden Vorlage präsentiert werden.  

sg.ch