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Stadt Gossau
12.09.2020
13.09.2020 07:08 Uhr

"Jeder ist ein Experte und niemand weiss was"

Am vergangenen Freitagabend fand ein weiterer Anlass der CVP Gossau-Arnegg aus der Reihe «Deine Meinung» statt. Dabei sprach Regierungsratspräsident Bruno Damann über aktuelle Themen wie COVID-19 und die Spitalstrategie 4plus5. Neben Damann waren auch zahlreiche Kandidaten für die in Gossau anstehenden Lokalwahlen vor Ort.

Als Mediziner, Regierungspräsident und Vorsteher des Gesundheitsdepartements hat Bruno Damann in den letzten Wochen und Monaten alle Aspekte des Coronavirus erlebt. An der Veranstaltung sprach er über die Lage im Kanton St. Gallen und einen Ausblick auf die kommenden Monate.

St. Gallen und COVID-19

«Jeder ist ein Experte und niemand weiss was», fasste Damann die mitunter ausufernden Diskussionen über das Virus zusammen. Dabei seien Transparenz, Sicherheit und Klarheit in dieser Lage besonders wichtig. Denn Angst ist der schlechteste Ratgeber, so der Regierungsratspräsident. Er scheut hierbei auch nicht vor Kritik am Bundesrat zurück, dessen Informationen für die Kantone und die Bevölkerung nicht immer eindeutig waren und in der Vergangenheit Kontroversen auslösten. Im Hinblick auf die momentane Lage zeigt sich Damann dennoch vorsichtig zuversichtlich. Der Kanton St. Gallen konnte nach dem Ende des Lockdowns die Fallzahlen geringhalten, ohne dabei auf einschneidende Massnahmen zurückgreifen zu müssen. Dennoch hat der Kanton natürlich unter der Coronakrise gelitten und wird auch noch weiter darunter leiden. Damann blickt darum auch mit Vorsicht und Sorge auf die kommenden Monate. Eine zweite Welle im Winter liesse sich nämlich nicht durch einen Lockdown eindämmen, denn einen zweiten Lockdown würde die Schweiz und insbesondere St. Gallen finanziell wohl kaum überstehen. Der Exportkanton St. Gallen leidet ausserdem nicht nur unter nationalen, sondern auch unter internationalen Restriktionen.

Um eine zweite Welle zu verhindern, appelliert Damann weiter an die Bevölkerung. Sie mögen weiterhin die Abstands- und Hygieneregeln einhalten, um die Fallzahlen tief zu halten. Das sei im Moment die einfachste und wohl auch beste Massnahme gegen das Virus.

4plus5 kommt vor den Kantonsrat

In einer Gesundheitskrise besonders aktuell, aber trotzdem von ihr in den Schatten gestellt, wird es nächste Woche im Kantonsrat zur Abstimmung über die Spitalreform «4plus5» kommen. Die seit Jahren heiss diskutierte und umstrittene Massnahme hat einen langen Weg hinter sich. Für Damann ist klar: 4plus5 ist unvermeidbar, wenn man die Spitallandschaft im Kanton finanziell und qualitativ erhalten möchte. Die momentane Situation sei vor allem finanziell unbefriedigend und in Zukunft so nicht tragbar. Damann wird deutlich: Keines der Spitäler erfülle im Moment die Mindestvoraussetzungen, um finanziell in die Zukunft gehen zu können. Nun kommen zu diesen bestehenden Problemen auch noch ausstehenden Coronaausfälle hinzu, deren Deckung durch Bund oder Kanton immer noch unklar und Bestandteil fortlaufender Diskussionen ist. Sollte der Bund die durch die Coronamassnahmen entstandenen Mehrkosten der Spitäler nicht übernehmen, drohen dem Kanton St. Gallen Kosten in Höhe von bis zu 94 Millionen Franken.

Mit der neuen Strategie würden die Spitäler St. Gallen, Grabs, Uznach und Wil als Mehrspaltenspitälern erhalten bleiben, während Wattwil, Altstätten, Flawil, Rorschach und Walenstadt zu regionalen Gesundheits- und Notfallzentren umgewandelt werden. Mit der neuen Strategie könnten laut Damann nach wie vor die medizinischen Bedürfnisse gedeckt werden, während der Kanton finanziell stark entlastet wird. 4plus5 sichere somit sowohl Qualität als auch Unternehmenssicherheit der Spitäler. 

Regierungsratspräsident Bruno Damann und Ruth Lehner, Kandidatin für das Schulratspräsidium,

Vorbereitung auf die Lokalwahlen

Am 27. September finden in Gossau nicht nur nationale Abstimmungen, sondern auch Lokalwahlen statt. Die Gossauer wählen an diesem Tag das Stadtpräsidium, das Schulratspräsidium, den Schulrat, den Stadtrat und das Stadtparlament. Besucher hatten an diesem Abend die Möglichkeit, einige der CVP-Kandidatinnen und Kandidaten persönlich zu treffen.

Kandidierende der CVP für die Wahlen am 27. September 2020 mit Bruno Damann: v.l. Roger Pfister (Stadtparlament), Nicola Damann (Stadtparlament), Petra Züger-Allenspach (Schulrat), Ruth Lehner (Schulpräsidium), Bruno Damann, Helen Alder Frey (Stadtrat) und Andreas Helfenberger (Stadtparlament).
Manuel Cozzio / gossau24.ch