Stadt Gossau
11.02.2019
04.01.2020 17:18 Uhr

SELBSTORGANISIERTES LERNEN IM OZ ROSENAU GOSSAU

Mit der Renovation sind im Oberstufenschulhaus Rosenau die räumlichen Voraussetzungen für neue Lernformen geschaffen worden. Das Team der Rosenau hat sich jetzt aufgemacht, das System der Lernlandschaften zu erkunden. Erste Erfahrungen sind positiv.

Lernlandschaft? So unklar der Begriff auf den ersten Blick sein mag, so offen ist auch die Definition. Sicher ist nur: Lernlandschaften sind Teil des selbstorganisierten Lernens, das in Verbindung mit gezielten Informationen durch die Lehrpersonen ein individuelleres Erarbeiten der Lernziele ermöglicht. Dies sowohl in zeitlicher Hinsicht wie auch mit Berücksichtigung der Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler und Schülerinnen.

Form und Raum

Der Begriff Lernlandschaft steht für eine mehr oder weniger neue Lern- und Unterrichtsform. Nach einer Einführung in den Unterrichtsgegenstand stellt die Lehrkraft speziell aufbereitetes Material zur Verfügung, das vom Schüler selbständig bearbeitet wird. In diesem Lernprozess wird er intensiv begleitet und betreut.

Das Individuelle Arbeiten bedingt auch individuelle Arbeitsplätze. Für diese Lernlandschaften stehen separate Räume zur Verfügung, in denen jeder Jugendliche seinen eigenen Arbeitsplatz gestaltet. Deshalb wird für den „normalen“ Unterricht das übliche Klassenzimmer genutzt.

Renovation als Voraussetzung

Lernlandschaften sind in der Schule Gossau aus räumlichen Überlegungen nur in der Oberstufe geplant. Im OZ Buechenwald hat das Konzept seit Eröffnung des Schulhauses im Jahr 2010 Bestand. Mit der Renovation in den Jahren 2017 und 2018 wurden nun die räumlichen Voraussetzungen auch im OZ Rosenau geschaffen.

„Mit dem Umbau haben wir zusätzlichen Schulraum erhalten, welcher uns nun das Arbeiten mit Lernlandschaften erlaubt“, erklärt Roger John, Schulleiter des Oberstufenzentrums Rosenau. „Ohne diese zusätzlichen Räume wäre die Einführung der Lernlandschaft nicht möglich gewesen, weil der Grundaufbau des Schulhauses nicht verändert worden ist.“

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Probebetrieb seit Herbst 2018

„Jede Schule, die Lernlandschaften einführt, muss einen eigenen Weg suchen“, gibt John zu bedenken. „Es gibt kein Patentrezept für die Einrichtung und den Betrieb von Lernlandschaften.“ Deshalb habe die Lehrerschaft der Rosenau auch beschlossen, das System Schritt um Schritt einzuführen. „Wir wollen uns an die ideale Form herantasten“, führt Roger John weiter aus, „und begannen deshalb nach den Herbstferien mit einem Probebetrieb“.

Dieser Probebetrieb sah pro Woche je eine Lernlandschaft-Lektion in Deutsch und Mathematik vor. So kamen alle Schüler der drei Sekundar- und Realklassen eines Oberstufenjahrgangs in der neuen speziellen Lernzone im ersten Obergeschoss der Rosenau zusammen. Diese Lernzone besteht aus einem grossen, „neutralen“ Schulzimmer mit angrenzenden Klassenzimmern und dem Gangbereich.

Besser differenzieren

Betreut werden die Schülerinnen und Schüler jeweils von drei bis vier Lehrpersonen. Die Vorgaben für diesen Probebetrieb der Lernlandschaft sind einfach. „Die Schüler und Lehrpersonen sollten sich an das neue System mit all seinen Besonderheiten gewöhnen“, erklärt Schulleiter John. “Wir wollten zuerst die Grundlagen für das Arbeiten in Lernlandschaften schaffen. So musste beispielsweise das „korrekte Flüstern“, das konzentrierte Arbeiten in Kleingruppen und das Einholen von Hilfe geübt werden“.

Doch schon bald erhielten die Schülerinnen und Schüler in den Lernlandschaft-Lektionen die Gelegenheit, im Rahmen ihrer Wochenpläne individuell zu arbeiten. Sie konnten dabei frei wählen, ob sie alleine oder mit einem „Gschpänli“ oder in einer Gruppe arbeiten wollten. Die Lehrpersonen standen ihnen dabei für Auskünfte und Hilfestellungen zur Seite.

Erste Erfahrungen sind positiv

„Die Lernlandschaft erlaubt uns, den Unterricht besser zu differenzieren“, zieht Roger John nach den ersten Monaten Probebetrieb Bilanz. „Wir werden damit den Schülern gerecht, die bereits selbständig arbeiten können. Und die anderen erhalten die Chance, sich auf den Weg des selbständigen Lernens zu machen.“ Es habe sich auch gezeigt, dass die Schülerinnen und Schüler gerne in der Lernlandschaft arbeiteten und dass der Schulstoff in dieser Form gleich gut wie im Klassenverband vermittelt werden kann.

„Wir haben aber auch festgestellt, dass die drei Jahrgänge der Rosenau in der Lernlandschaft unterschiedlich schnell vorwärts kommen.“ Schliesslich sei auch deutlich geworden, dass gute und genügende IT-Ressourcen für den Erfolg der Lernlandschaft sehr wichtig seien. Das Arbeiten in Lernlandschaften sei kein Paradigmenwechsel im Schulbetrieb, sondern eine zusätzliche Unterrichtsform, fasst der Rosenau-Schulleiter die ersten Eindrücke zusammen. „Es kommt für uns deshalb auch nicht in Frage, den ganzen Schulbetrieb auf das System Lernlandschaften umzustellen, wie das andere Schulen machen. Für uns wird der Unterricht im Klassenverband die Hauptorganisationsform bleiben.“

Blick in die Lernlandschaft anlässlich des Tags der offenen Tür