Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Wirtschaft
15.02.2021
16.02.2021 12:10 Uhr

Bühler Group gefordert, robust und zuversichtlich

Die Geschäftsleitung der Bühler Group hat 2020 die digitalen Kommunikationskanäle noch stärker genutzt.
Bühler hat sich im Jahr 2020 als verlässlicher Partner für alle Stakeholder erwiesen und eine robuste Unternehmensleistung gezeigt. Höchste Priorität hatten die Gesundheit der Mitarbeitenden, die Sicherung der Lieferketten für die Kunden und eine weiterhin hohe Innovationsrate. Trotz widriger Bedingungen erfüllte Bühler alle Kundenverträge und Liefervereinbarungen ohne Unterbrüche. Weiter lancierte das Unternehmen wichtige Innovationen für Schlüsselmärkte. Die Eigenkapitalquote erreichte 44,2% (+1,4 Prozentpunkte), die Nettoliquidität stieg auf CHF 749 Millionen (+66,8%). Der Umsatz lag bei CHF 2,7 Milliarden (-17,0%), der Auftragseingang bei CHF 2,6 Milliarden (-16,7%).
«Dank grosser Agilität haben wir uns rasch auf die neue Situation eingestellt, um Kontinuität auf allen Ebenen zu gewährleisten“, sagt CEO Stefan Scheiber. „Angesichts unserer globalen Aufstellung und Innovationskraft blicken wir mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft.»
Stefan Scheiber, CEO Bühler Group

Bühler stellte über das ganze Jahr die Gesundheit seiner Mitarbeitenden und den permanenten Betrieb sicher. Die Lieferketten erwiesen sich als bemerkenswert solide. Bühler konnte die Wellen der Pandemie brechen, vor allem dank des globalen Netzwerks von 33 Fabriken, 100 Servicestationen und digitalen Kommunikationsmitteln, mit denen Kundenversuche oder Inbetriebnahmen aus der Ferne durchgeführt werden konnten. So hat Bühler weltweit Produktionskapazitäten für dringend benötigte Nahrungsmittel bereitgestellt. „Wir haben einen starken Anstieg der Kundennachfrage nach digitalen Lösungen festgestellt. Das gilt auch für nachhaltige Lösungen mit weniger CO2-Emissionen, für nahrhafte und gesunde Lebensmitteln, für High-End-Beschichtungstechnologien und für saubere Mobilität“, sagt Stefan Scheiber.

Finanzkraft gestiegen

„Die Sicherung unserer Liquidität hatte im vergangenen Jahr höchste Priorität“, sagt CFO Mark Macus. „Unser Ziel war es, ein sehr solider und starker Partner für alle unsere Stakeholder zu bleiben. Das haben wir auch in einem herausfordernden Jahr wie 2020 erreicht.“ Dank umsichtigem Finanzmanagement stieg der operative Cashflow um 211% von CHF 151 Millionen auf CHF 470 Millionen. Striktes Kostenmanagement konnte einen wesentlichen Teil des negativen Volumeneffekts kompensieren. Das resultiert in einem EBIT von CHF 146 Millionen (Vorjahr: CHF 248 Millionen) und einer EBIT-Marge von 5,4% (7,6%).

Der Umsatz betrug CHF 2,7 Milliarden. Das entspricht einem Rückgang von 17,0% verglichen mit den CHF 3,3 Milliarden des Vorjahres. Die Ergebnisse von 2020 waren beeinflusst von der Entwicklung der Wechselkurse, insbesondere des chinesischen Yuan, des Euro und des US-Dollars gegenüber dem Schweizer Franken. Bereinigt um den Einfluss der Wechselkurse betrug der Rückgang des Umsatzes gegenüber dem Vorjahr 13%.

Robuste Geschäftsentwicklung

Grains & Food (GF) erwies sich als widerstandsfähig sowie agil und zeigte eine sehr solide Geschäftsentwicklung. Der Auftragseingang lag bei CHF 1,6 Milliarden und war damit 13,9% niedriger als im Vorjahr. Der Umsatz ging um 7,2% auf CHF 1,7 Milliarden zurück. Mit der Einführung innovativer Lösungen wie der Mill E3 und ihrem integrierten Vermahlungssystem Arrius baute GF seine Position als Technologieführer in der Getreideverarbeitung wie auch bei den Lebens- und Futtermitteln weiter aus. Consumer Foods (CF) war von der Pandemie stärker betroffen, da die Kundinnen der Branche unter der stark eingebrochenen Frequenz bei Duty-free-Shops, Restaurants und Hotels litten. Sie alle verzeichneten durch die stark eingeschränkten Veranstaltungen deutlich weniger Umsatz. Der Auftragseingang von CF sank um 29,2% auf CHF 549 Millionen. Der Umsatz sank um 25,8% auf CHF 574 Millionen. Der Auftragseingang von Advanced Materials (AM) belief sich auf CHF 453 Millionen, ein Rückgang von 7,2%. Der Umsatz schrumpfte um 31,7% auf CHF 443 Millionen, verursacht durch den starken Einbruch der weltweiten Automobilindustrie. Das Geschäft mit Hightech-Spezialbeschichtungen von Bühler Leybold Optics wuchs jedoch deutlich. AM hat deshalb seine Profitabilität verbessert. Gelungen ist dies dank sofortiger und straffer Anpassung der Strukturkosten an die neuen Marktbedingungen sowie dank der Einführung von Innovationen, die von den Märkten sehr positiv aufgenommen wurden.

Zu den Highlights aus den Geschäftsbereichen zählt das starke Wachstum des Bereichs Value Nutrition aufgrund des grossen Interesses an Fleischalternativen aus pflanzlichen Proteinen. Weiter sind derzeit grosse Lebensmittelparks im Aufbau. So etwa in Ägypten, wo Bühler komplette industrielle Infrastrukturen mit Mühlen, Biskuit-, Waffel-, Schokoladen- und Teigwarenlinien baute. Bühler verzeichnete ein starkes Wachstum bei den optischen Beschichtungslösungen von Bühler Leybold Optics. Sie sind auf die hohe Nachfrage nach Computerchips zurückzuführen.

Erfolg in China fängt niedrige Volumen der anderen Regionen auf

Neben der unterschiedlichen Entwicklung der Geschäftsbereiche von Bühler entstand auch eine Verschiebung der regionalen Entwicklung in Richtung Asien. Alle Märkte verzeichneten geringere Volumina bis auf Bühler Asien, das dank des starken Wachstums des Geschäfts in China stabil blieb. Der Auftragseingang in China stieg im Gesamtjahr deutlich um 15%. Bezogen auf den Umsatz macht Asien nun 35% aus (Vorjahr: 31%), Europa 30% (30%), Nordamerika 16% (16%), der Mittlere Osten & Afrika 11% (14%), Südamerika 5% (6%) und Südasien 3% (3%). Auch 2020 spielte das globale Netzwerk von Bühler eine tragende Rolle, sodass alle Kunden auf allen Kontinenten ohne Unterbrüche bedient werden konnten.

Fortführung der Innovations-Roadmap

Trotz des herausfordernden Umfelds hielt Bühler an seiner Innovations-Roadmap fest und lancierte 86 neue Produkte und Lösungen. Dies ist eine Hommage an das 160-jährige Bestehen des Unternehmens, das 2020 begangen wurde, und eine erneute Bestätigung des Unternehmenszwecks „Innovationen für eine bessere Welt“. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung lagen mit CHF 139 Millionen (Vorjahr: CHF 149 Millionen) etwa auf Vorjahresniveau. Im Verhältnis zum Konzernumsatz entspricht dies 5,2% und damit einer leichten Steigerung (Vorjahr: 4,6%). Bühler hat 2020 weitere neue Anwendungszentren eröffnet: eines für Lebensmittel im US-amerikanischen Minneapolis, eines für Mälzerei und Brauerei im deutschen Beilngries, und ein neues Trainings- und Ausbildungszentrum für Kakaoverarbeitung an der Elfenbeinküste, in Abidjan. Mit Givaudan, dem weltweit führenden Unternehmen für Aromen und Riechstoffe, baute Bühler in Singapur ein Innovationszentrum für pflanzliche Lebensmittel. Die Eröffnung der neuen Anlage ist für März 2021 geplant. Mit dem kanadischen Unternehmen Premier Tech gründete Bühler in China ein Joint Venture für neue Verpackungslösungen, das 2020 sehr erfolgreich startete. Weiter führte Bühler neueste Innovationen für digitale Plattformen und Lösungen für industrielle Anwendungen ein, und das weltweit und mit beeindruckendem Erfolg.

Alle Investitionen in Innovationen richten sich nach dem Bekenntnis von Bühler, den Energie- und Wasserverbrauch sowie den Abfall in den Wertschöpfungsketten seiner Kunden in den Bereichen Lebens- und Futtermittel sowie Mobilität bis 2025 um 50% zu senken. Diese Nachhaltigkeitsziele wurden in der neuen Strategie Destination25 verankert. Sie wurde 2020 vereinbart und ist bis 2025 gültig. Darüber hinaus intensivierte Bühler seine Schulungs- und Ausbildungsinitiativen für Kundinnen und Partner sowie für Mitarbeitende weltweit. Das globale Berufsbildungsprogramm wurde nochmals weiterentwickelt. Die Erfolge der Lernenden an den SwissSkills 2020 – acht Medaillen in vier Schlüsseldisziplinen – waren richtungweisend für die fast 600 Lernenden, die das Unternehmen weltweit beschäftigt, ausbildet und entwickelt.

Ausblick: Verhaltener Optimismus

Bühler nutzte alle Erkenntnisse aus dem Jahr 2020, um die Business Excellence zu steigern und eine „neue Normalität“ zu entwickeln. Dazu gehörte etwa die Umstellung auf digitale Formate im Umgang mit Kunden. Ein Beispiel dafür ist die Bühler Virtual World. Mit einem starken Unternehmenszweck, als Familienunternehmen, mit engagierten Mitarbeitenden auf der ganzen Welt, mit seiner Innovationskraft, seinem breiten Portfolio und seiner globalen Aufstellung blickt Bühler optimistisch in die Zukunft. „Für 2021 erwarten wir ein stabiles Geschäftsvolumen und eine stabile Profitabilität. Die Coronakrise wird in unseren Geschäftsfeldern noch länger nachwirken. Gleichzeitig stellen wir uns jetzt so auf, dass wir in Zukunft wieder profitabel wachsen. Wir gehen neue Märkte an und stellen uns mit Agilität und Entschlossenheit auf neue Marktbedingungen und -chancen ein“, sagt Stefan Scheiber.

Die Geschäftsleitung der Bühler Group hat 2020 die digitalen Kommunikationskanäle noch stärker genutzt.
Bühler Group / jg