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Kultur
16.02.2021
16.02.2021 09:02 Uhr

Frauen schreiben Geschichte

Das berühmte Plakat von Hans Erni zum Frauenstimmrecht, 1946
Die für Februar geplante Eröffnung der Ausstellung «Klug und kühn» im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen wurde auf Anfang März verschoben. Sie porträtiert 84 Frauen, die sich seit der Staatsgründung 1848 für das Wahl- und Stimmrecht für Frauen eingesetzt haben.

Warum dauerte es in der Schweiz so lange, bis das Stimm- und Wahlrecht auch für Frauen galt? Welche Mechanismen, welche Vorurteile waren am Werk? Die Wanderausstellung «Klug und kühn» im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen rückt die Protagonistinnen und Zeitgenossinnen ins Zentrum.

 

Sie zeigt auf, wie sich der Geschlechterdiskurs im Laufe der Zeit verändert hat. Der lange Weg zur Chancengleichheit in der Bildung gehört ebenso dazu wie die Kontrolle über den eigenen Körper: Verhütung, strafloser Schwangerschaftsabbruch und Frauenhäuser sind nicht selbstverständlich. Sie sind – wie das Stimmrecht – hart erkämpft.

Organisiert hat die Ausstellung Marina Widmer, die Leiterin des Archivs für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz. Sie begründet in einem Interview mit dem Magazin «Saiten», warum es von Anfang an klar war, dass in der Ausstellung nicht Geschlechtergeschichte betrieben wird, sondern nur Frauen porträtiert werden: «Die Frauenporträts, insgesamt 84, sind ein Teil der Ausstellung. Dazu gibt es eine Chronologie von 1830 bis heute zu den Themen Politik, Recht und Soziale Institutionen.» Der Geschlechterdiskurs spiele aber stark mit hinein in die Ausstellung. Zum Beispiel im Kapitel zur Kultur und Öffentlichkeit: «Da gehen wir den Frauenskulpturen in der Stadt St.Gallen nach, die fast durchwegs von Männern geschaffen wurden. Oder der grosse Kulturpreis der Stadt: Gerade einmal drei Frauen haben ihn neben zahlreichen Männern erhalten. Wir halten dem eine Liste von Frauen entgegen, die den Preis auch verdient hätten, die Künstlerin Manon etwa, die Galeristinnen Susanne Kulli und Wilma Lock, die Kunsthistorikerin Dora Fanny Rittmeyer-Iselin, die Autorin Erica Engeler und viele andere Frauen, die kulturell sehr viel geleistet haben, ein farbigeres Bild abgeben und auch ihren Platz haben sollten.»

Die Ausstellung «Klug und kühn – Frauen schreiben Geschichte» porträtiert 84 Frauen, die sich seit der Staatsgründung 1848 für das Wahl- und Stimmrecht für Frauen eingesetzt haben. Eine Chronologie zeigt den Fortschritt in Recht, Politik und sozialen Institutionen im Vergleich mit den Nachbarländern. Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich den Bereichen Politik, Arbeit, Körper, Bildung, Religion, Recht, Kultur und öffentlicher Raum.

Voraussichtlich ab 6. März im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen, ab 27. Oktober im StadtmuseumRapperswil-Jona

Stgallen24/stz / Gossau24