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Wirtschaft
20.02.2021
22.02.2021 18:15 Uhr

Aktienbörse mit Gewinnmitnahmen

Christopher Chandiramani: «Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé profitierte im Corona-Jahr 2020 vom starken Online- und Detailhandel, mit einem Reingewinn von 12,2 Mrd. CHF.»
Höhere US-Arbeitslosenzahlen, Angst vor Covid-19-Mutationen und der Optionenverfall zur Monatsmitte erzeugten diese Woche grössere Schwankungen und Gewinnmitnahmen. SMI schliesst mit kleinem Minus.

Die Corona-Fallzahlen sinken spürbar, trotzdem spricht unser Bundesrat nur zögerlich von Lockerungen. Die Öffnung von Ladengeschäften, Restaurants und Sportanlässen dürfte nur im Zeitlupentempo voranschreiten. Auch Bund und Kantone widersprechen sich. Ein ähnliches Zögern ist auch im benachbarten Ausland zu beobachten.

In ganz Europa und den USA erfolgte nach weiteren Lockdowns ein Rückschlag bezüglich der wirtschaftlichen Erholung. Aus China kamen wegen des dortigen Neujahrsfests wenig Nachrichten. Diese fernöstliche Aktienbörse war zeitweise geschlossen.

Nach einem kräftigen Anstieg des Erdölpreises wegen des kalten Januars und Februarbeginns in weiten Teilen der USA und Osteuropa setzten ebenfalls Gegenbewegungen ein. Das gilt auch für Gold. Aber die Kryptowährung Bitcoin hielt sich hartnäckig auf Rekordniveau von über USD 52'000.

Unternehmensnachrichten am laufenden Band

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat im Corona-Jahr 2020 vom starken Online- und Detailhandel profitiert. Die Konsumenten deckten sich speziell mit Tierfutter, Kaffee und Gesundheitsprodukten ein. In der Folge wuchs Nestlé um 3.6 Prozent. Der Umsatz ging aufgrund der Verkäufe von Firmenteilen (Wasser) sowie währungsbedingt um 8.9 Prozent auf 84.3 Mrd. CHF zurück, der Reingewinn um 3.0 Prozent auf 12,2 Mrd. CHF. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von 2.75 CHF pro Namenaktie (Vorjahr 2.70).

Die Versicherungsgruppe Swiss Re schreibt für 2020 hohen Verlust, vor allem wegen Annulationen bzw. Reiseversicherungen, aber auch Naturkatastrophen. Insgesamt verblieb in der Jahresrechnung der Swiss Re ein Minus von 878 Mio. USD nach einem Gewinn von 727 Mio. im Jahre 2019. Aber der Konzern bleibt grundsolide, kann diverse Prämien erhöhen und beabsichtigt, weiterhin hohe Dividenden auszuschütten.

Der Bauzulieferer Sika schreibt einen Rekordgewinn und erhält einen neuen Chef. Zwar nahm der Umsatz im Jahr 2020 um 2.9 Prozent auf 7.88 Mrd. CHF ab. Unter dem Strich stand aber ein um 8.8 Prozent höherer Reingewinn von 825 Mio. CHF. Die Aktionäre sollen davon in Form einer höheren Dividende profitieren. Der Verwaltungsrat schlägt vor, diese um 0.20 auf 2,50 CHF pro Aktie zu erhöhen. Im Mai 2021 tritt Thomas Hasler die Nachfolge von Paul Schuler als CEO an.

Der Baukonzern Implenia erwartet für 2020 weniger Betriebsverlust als befürchtet, nur noch 5 Mio. CHF, im Herbst 2019 hatte Implenia noch mit einem EBITDA von minus 70 Mio. gerechnet. Die Entwicklung von Projekten sei wesentlich besser vorangekommen als erwartet. Details folgen am 3. März.

Die Bankengruppe Credit Suisse schreibt einen tieferen Jahresgewinn wegen Altlasten, grösstenteils noch aus der Finanzkrise. Total ergab sich für das Jahr 2020 ein um 22 Prozent tieferer Reingewinn von 2.7 Mrd. CHF. Belastet haben insbesondre die Rückstellungen für Hypothekarkredite und Hedgefonds in den USA.

Aussichten: Corona zunehmend eine politische Frage

Zwar wurden Lockerungen angekündigt in Bezug auf die immer noch strengen Massnahmen gegen die Corona-Krankheit. Aber fast alle sind unglücklich damit – die Grundsatzfrage lautet Gesundheit oder Wirtschaft? Für die einen gehen Lockerungen zu schnell, für die anderen zu wenig weit. Die Wirtschaft beharrt auf schnelleren Öffnungen.

Der Bundesrat entscheidet am kommenden Mittwoch (23.2.2021) und stellt somit auch die Weichen für das Tempo der kommenden wirtschaftlichen Erholung, von der auch der Aktienmarkt stark abhängt. Besonders davon betroffen ist auch das Überleben vieler KMU-Betriebe. Die multinationalen Firmen sind davon weniger betroffen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24