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Wirtschaft
27.02.2021
27.04.2021 20:18 Uhr

Aktienbörse richtungslos, dann schwächer

«2020 sank die Wirtschaftsleistung der Schweiz um knapp 3 %, der stärkste Einbruch seit der Ölkrise 1973», so Christopher Chandiramani. Bild: Linth24
Inflations- und Zinsängste stoppten den Börsenzug nach oben vorläufig. Lockerungen in Bezug auf Corona gibt es nur zögerlich und im Zeitlupentempo. Unternehmensabschlüsse ergeben zu wenig Impulse.

Aufkommende Inflationsängste und Befürchtung steigender Zinsen führten zu Wochenbeginn zu einer Korrektur. Wiederholte Äusserungen von US-Regierung und Notenbank (Fed) betreffend Hilfspakete und eine Fortsetzung der Tiefzinspolitik brachten nur zwischenzeitliche Erholungen. Schwächere Technologiewerte und Kryptowährungen verstärkten das Misstrauen. Der SMI schloss am Freitag per Saldo tiefer unter 10'600 Punkten.

Die zweite Corona-Welle hat die Schweizer Wirtschaft gebremst. Das BIP ist im 4. Quartal 2020 nach einer Zwischenerholung im Sommer kaum mehr gewachsen. Die Einbussen betrafen vor allem den Dienstleistungssektor. Im Gesamtjahr sank die Wirtschaftsleistung der Schweiz um knapp 3 Prozent, der stärkste Einbruch seit der Ölkrise im Jahre 1973.

Unternehmensabschlüsse schwächer – trotzdem Dividenden

Vergleichbar mit den Abschlüssen der beiden Kantonalbanken von SG und TG hat die Bank Linth ihre Zahlen für 2020 publiziert. Der Reingewinn ist mit minus 4 Prozent auf CHF 25 Mio. etwas tiefer, aber die Dividende bleibt stabil bei CHF 10 pro Aktie.

Der Zementkonzern LafargeHolcim spürt eine leichte Nachfragebelebung und steigert die Profitabilität. 2020 wird aber als eines der schwierigsten Geschäftsjahre bezeichnet. Der Umsatz fiel um 13 Prozent auf 23.14 Mrd. Der EBIT lag gut 10 Prozent tiefer bei 3.68 Milliarden Franken und der Konzerngewinn sank um 25 Prozent auf 1.70 Milliarden Franken. Die Dividende pro Titel soll jedoch unverändert 2.00 CHF betragen.

Sulzer hält die Dividende ebenfalls stabil trotz eines schwächeren Gewinns. Der Umsatz ging 2020 unter Ausklammerung der Währungseffekte um 11 Prozent auf 3.32 Mrd. CHF zurück und der den Aktionären zustehende Reingewinn brach um 46 Prozent auf 83.6 Millionen Franken ein. Die Dividende soll dennoch wie 2019 bei 4.00 CHF je Aktie liegen.

Die Temporär-Firma Adecco wurde ebenfalls von Pandemie massiv getroffen mit einem Verlust von 98 Mio. EUR, hauptsächlich als Folge eines Abschreibers im ersten Quartal 2020. Die Aktionäre sollen aber gleichwohl eine gegenüber 2019 unveränderte Dividende von 2.50 CHF je Titel erhalten.

Der Augenheilmittel-Hersteller Alcon setzte im Jahr 2020 knapp 6.8 Mrd. USD um, 8 Prozent weniger als 2019. Der ausgewiesene Reinverlust für 2020 beträgt 531 Mrd. USD. Den Aktionären wird eine kleine Dividende zugesagt.

Bei der Kioskbetreiberin Valora ging der Nettoumsatz 2020 um 15 Prozent auf 1.7 Mrd. CHF zurück. Insgesamt machte Valora im Corona-Jahr einen Verlust von 6.2 Mio. CHF, nach einem Gewinn von 74 Mio. im Vorjahr.

Aussichten

Die neunziger Jahre waren vom Indexdenken geprägt. Indexprodukte und Anlagefonds dominierten. Aber die Grossbanken konnten nicht mithalten. Eine UBS-Aktie kostete damals CHF 75, heute 14; CS einmal über 80 CHF, heute 13. Auch die Versicherungen enttäuschten. Die Basler Pharmaindustrie war besser. Hier konnte man ein Vermögen verdienen. Das gilt sogar für Nestlé.

Noch besser war die Wertentwicklung bei kleineren Firmen. Belimo kostete mal CHF 350, heute über 7'000, Ems-Chemie lange Zeit etwa CHF 100, heute über 800. Bei den Aktien der Versand-Apotheke zur Rose gab es seit Jahresbeginn 2020 eine Vervierfachung. In den USA war es bei Microsoft eine Steigerung um das Sechsfache, bei Tesla um das Siebenfache und bei Amazon eine Verzehnfachung innert weniger Jahre.

Das ist Vergangenheit. Aber die Zukunft liegt weiterhin beim «Stock Picking», d.h. einer guten Titelauswahl. Auch dieses Jahr dürften Pharma- und Technologie-Werte den Markt ausstechen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24