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Stadt Gossau
05.05.2021
05.05.2021 08:19 Uhr

Für neue Lebensräume auf dem Schulgelände

Das Areal rund um das Oberstufenzentrum OZ Buechenwald und die PHSG wird ökologisch aufgewertet. Bild: yg
Das Areal rund um das Oberstufenzentrum OZ Buechenwald und die Pädagogische Hochschule St.Gallen (PHSG) soll ökologisch aufgewertet werden. Die Klasse von Elisabeth Tobler nimmt sich dieser Aufgabe an, angeleitet von Gartenbauprofis und begleitet von Studierenden der PHSG.

„Uns erwartet harte körperliche Arbeit. Es gilt durchzuhalten, auch wenn die Beine oder die Arme mal schmerzen“, blickt Elisabeth Tobler, Oberstufenlehrerin am OZ Buechenwald, auf diese Woche voraus und stellt gleichzeitig zuversichtlich fest: „Die Kinder finden jeweils erstaunlich schnell den Faden zur Natur!“ Vom 3. bis 7. Mai bereitet ihre 1. Realklasse unter Anleitung von Fachleuten der „Garten und Bau Bernhardsgrütter AG“ den Boden für eine ökologische Aufwertung des Geländes zwischen dem PHSG-Standort in Gossau und dem OZ Buechenwald. Das Vorhaben ist abgestimmt auf die Biodiversitäts-Strategie des Kantons St. Gallen.

Unterrichtspraktische Erfahrungen sammeln

Begleitet werden die Schülerinnen und Schüler dabei von Studierenden der PHSG im 6. Semester, die mit diesem Projekt unterrichtspraktische Erfahrungen sammeln. „Die Studierenden des Ökologiemoduls wenden auf diese Weise direkt an, was sie später als Lehrkräfte vermitteln werden“, erklärt Patrick Kunz, Fachleiter Natur und Technik an der PHSG und mit Elisabeth Tobler Co-Leiter des Aufwertungsprojekts. Dieses leistet überdies einen Beitrag zum Wissens- und Kompetenztransfer sowie zur nachhaltigen Entwicklung und damit zu zwei strategischen Schwerpunkten, welche die PHSG für die eigene Weiterentwicklung als besonders relevant definiert hat. Man spreche im Zusammenhang mit solchen Projektarbeiten auch von Service-Learning: „Die Idee dahinter ist, dass eine Arbeit einen konkreten Nutzen bringen soll, wodurch die Sinnhaftigkeit deutlich steigt“, führt Kunz aus.

Patrick Kunz, Fachleiter Natur und Technik an der PHSG, und Elisabeth Tobler, Lehrerin am OZ Buechenwald, leiten das Aufwertungsprojekt. Bild: Gossau24

Theorie und Praxis verbinden

„Wir streuen unter anderem Blumenwiesen, entfernen Neophyten und pflanzen neue, einheimische Bäume. Wir kümmern uns also um die Flora, wovon auch die Fauna profitiert“, erklärt Tobler. Ob letztlich neben Insekten auch Eidechsen und Schlangen eine neue Heimat im Buechenwald finden, werde sich zeigen. Auf jeden Fall soll auf dem Gelände dem Biodiversitätsverlust entgegengewirkt werden. „Die Studierenden haben meiner Klasse in vier Unterrichtseinheiten das Thema Biodiversität nähergebracht. Nun folgt die praktische Arbeit. Aus meiner Sicht handelt es sich um einen wirkungsvollen Mix aus Theorie und Praxis“, erläutert die Oberstufenlehrerin.

Abgeschlossen wird die Projektwoche mit einem Anlass für nahe Verwandte der Schülerschaft – selbstverständlich unter Einhaltung der Corona-Schutzmassnahmen. „Wir wollen den Eltern zeigen, dass es nicht nur einen Rasen gibt, den man 22 Mal im Jahr mäht“, so Tobler. Die Eltern würden auch Gartenwerkzeuge zur Verfügung stellen sowie Znüni und Zvieri vorbereiten. Das Mittagessen wird gemeinsam mit den Studierenden und den Gartenbauern vor Ort eingenommen. „Im Rahmen der Aktionswoche von Fair Trade Town Gossau werden die Schülerinnen und Schüler unter Anleitung von PHSG-Studenten ein CO2-neutrales Mittagessen aus regionalen Zutaten zubereiten und auftischen“, weiss Tobler. Im Hintergrund koordiniert Ursi Bamert, Dozentin für Wirtschaft, Arbeit, Haushalt, die kulinarische Versorgung für diese Tage.

Langer Zeithorizont

Wie stark das Gebiet ökologisch tatsächlich aufgewertet wird durch die Arbeiten in dieser Woche und die Anstösse, welche das Projekt auch den Mitarbeitenden der Hausdienste liefert, wird sich erst später herausstellen. Patrick Kunz sagt diesbezüglich: „Den Erfolg des Projekts wird man erst in fünf bis zehn Jahren beurteilen können. Wir werden die Fortschritte über diesen Zeithorizont hinweg immer wieder mit einer Checkliste prüfen.“ Diese stammt aus Masterarbeiten von 2016 und 2020. Eine davon untersuchte auch die ökologische Wertigkeit des Schulgeländes Buechenwald und bewertete diese als ungenügend. Dies unter anderem aufgrund des Monokulturrasens, der Neophyten, zu intensiver Pflege und fehlender Strukturelemente. Durch die Aufwertung sollen in mindestens zwölf der damals siebzehn negativ bewerteten Kriterien Verbesserungen erzielt werden.

Das aktuelle Projekt wird selbst zum Gegenstand einer Masterarbeit. Eine PH-Studentin möchte mittels Befragungen untersuchen, ob die Teilnahme am Projekt einen Einfluss auf das Naturbewusstsein der Schülerschaft sowie der Studierenden hat. Zusätzlich soll das Gelände dank der Projektarbeit zukünftig vermehrt als Aussenschulraum genutzt werden können. „Vielleicht lassen sich aus dem Holz der drei gerodeten Robinien Sitzgelegenheiten schaffen. Aber das steht noch nicht fest“, erzählt Tobler. Kunz hofft, dass sich für den Unterricht des Instituts Fachdidaktik Naturwissenschaften in Zukunft neue Möglichkeiten auf dem Schulgelände eröffnen. In dieser Woche sollen Studierende und Schülerschaft entdecken, dass Learning by Doing keine Floskel ist. „Und es soll allen Spass machen, auch wenn es etwas dreckig wird!“

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Unterstützung von den Profis. Bild: Gossau24

Kantonale Biodiversitätsstrategie

„Die Biodiversitätsstrategie St.Gallen 2018-2025 trägt massgeblich dazu bei, die biologische Vielfalt im Kanton langfristig zu sichern und zu fördern“, schreibt die Kantonsregierung und definiert Biodiversität folgendermassen: „Biodiversität steht für das gesamte Spektrum des Lebens auf der Erde: Alle Arten von Lebewesen, deren genetische Vielfalt, die Vielfalt von Lebensräumen sowie die in und zwischen diesen Ebenen wirkenden Prozesse.“ Die kantonale Strategie setzt drei Ziele: Erstens soll der Kanton St.Gallen über ein attraktives Mosaik von intakten und sinnvoll vernetzten Lebensräumen verfügen. Zweitens sollen im Kanton einheimische Tier-, Pflanzen- und Pilzarten ihren Platz und eine gute Perspektive haben, langfristig zu überleben und drittens soll der Natur- und Landschaftsschutz auf einem wirkungsvollen Arbeitsverhältnis zwischen den Gemeinden und dem Kanton zugunsten der Biodiversität basieren.

 

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