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Wirtschaft
07.05.2021
10.05.2021 09:12 Uhr

Aktienbörse: aufwärts mit angezogener Handbremse

Christopher Chandiramani: «Aufgrund der Wirtschaftserholung waren zyklische Werte im Aufwind, ebenso zogen die Finanzwerte wieder an.» Bild: Linth24
In der Berichtswoche bewegten sich die Aktien nach oben, aber zwischendurch mit Rückschlägen. Im Indexbereich waren die Bewegungen klein, aber im Branchen- und Titelvergleich auffälliger.

Gute Nachrichten von der Konjunkturseite, ein steigender Schweizer Einkaufsmanager-Index (PMI 69.5, Vorjahr 41.2), Impferfolge und eher rückläufige Fallzahlen waren in den vergangenen Tagen für die Börse eine Stütze.
Aber Sorgen betreffend ein Rekord-Handelsbilanzdefizit, Inflations- und Zinsängste konnten von den Notenbanken nicht restlos zerstreut werden. Diese Zweifel führten auch zu zwischenzeitlichen Korrekturen und Gewinnmitnahmen, vor allem am Dienstag und bei den Technologiewerten. Aber der Dow-Jones-Index erreichte im Wochenverlauf wieder Rekordwerte.

Sehr ungern hörten die Investoren die Vorschläge in Bezug auf eine Aufweichung oder gänzliche Freigabe des Patentschutzes auf Corona-Impfstoffen und Medikamenten. Die Idee stammt aus den USA, die EU macht mit, Nutzniesser wären Entwicklungsländer, die Schweiz will die Patente vorerst weiter schützen.

Der Erdölpreis stabilisiert sich nach einem Anstieg wegen Lagerabbau in den USA. Bei den Währungen setzten am Freitag schwächere US-Arbeitsmarktdaten den USD unter Druck. Bitcoins haben sich wieder auf USD 57'000 erholt.

Unternehmensmeldungen

Aufgrund der Wirtschaftserholung waren zyklische Werte (Maschinen, Metalle, Elektronik) im Aufwind, ebenso zogen die Finanzwerte wieder an, ausser jene der Credit Suisse, die immer noch unter dem Hedgefonds-Debakel leiden. Der Aktienkurs fiel hier wieder deutlich unter 10 CHF.

Eine Achterbahnfahrt machte der Aktienkurs des Jobvermittlers Adecco nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen, diese waren zwar besser – leichtes Wachstum –, aber unter den Erwartungen.

Einen ähnlichen Kursverlauf hatten die Aktien von Alcon (Augenheilkunde). Die Aktien gerieten nach Bekanntgabe der Quartalszahlen ins Minus, erholten sich jedoch anschliessend wieder. Die Analystenschätzungen bleiben hier vorsichtig.

Die neu gehandelten Aktien des Blechverarbeiters Bystronic starteten nach erfolgter Umfirmierung der Conzzeta AG (ehemaliger Name Zürcher Ziegeleien) an der Schweizer Börse SIX. Die Titel waren am Montag zum ersten Mal unter dem Tickersymbol BYS kotiert.

Eine weitere Erstemission ist in der Pipeline: Das IPO von Montana Aerospace ist angelaufen. Bereits in der kommenden Woche werden die Aktien erstmals an der SIX gehandelt. Dieser Luftfahrtzulieferer nutzt die Corona-Krise für seine Wachstumsstrategie.

Die Aktien des Zementkonzerns LafargeHolcim sowie der Versicherungen Baloise und Helvetia verzeichneten Kursabschläge aufgrund des Dividendenabgangs.

Überraschung, neuer Job: Die IT-Gruppe Wisekey ernennt den abgewählten Genfer Regierungsrat Pierre Maudet zum Chief Digital Transformation Officer.

Aussichten: US-Notenbank warnt vor Übermut

US-Notenbankchef Jerome Powell warnt vor einem steigenden Übermut an den Finanzmärkten. Nach seinen Einschätzungen ist die momentane Lage zwar in mancher Hinsicht besser als noch vor einem Jahr zu Beginn der Corona-Krise, aber Tendenzen zur Blasenbildung seien bei den Aktien und Immobilien sichtbar. Auch die Hedgefonds bilden eine Gefahr. Unsicher seien auch die Staatsfinanzen. Diese wurden durch die Pandemie und Hilfspakete arg strapaziert.

Im Moment muss sich die wirtschaftliche Aufwärtsbewegung fortsetzen, und ein corona-freier Sommer wäre eine Voraussetzung für stabile Märkte, sowie eine Weiterführung der tiefen Zinsen. Wieder zunehmende geopolitische Spannungen wären jedoch auch eine Gefahr für die Aktienmärkte.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24