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Stadt Gossau
29.05.2021
29.05.2021 17:36 Uhr

"Von konventionell auf Bio umgestellt"

Sonja und Markus Bernhardsgrütter kontrollieren die Salate, die neu nach Bionorm produziert werden. Bild: Rita Bolt
Bernhardsgrütters Hof Mädertal in Gossau ist neu ein Biohof und soll in zwei Jahren mit der Bio-Knospe ausgezeichnet werden.

von Rita Bolt

Markus Bernhardsgrütter isst den Spinat direkt ab Feld und nickt zufriedenstellend. Er und seine Frau Sonja kontrollieren anschliessend noch den Salat. „Sehr gut“, sagen sie. Wenn von konventionellem Anbau auf ökologische Nutzfläche umgestellt werde, müsse etwas mehr kontrolliert werden. Ob sich beispielsweise Schädlinge oder Pilze „eingenistet“ hätten. Der Blumenkohl sei noch zu klein, das habe aber nichts mit der Umstellung zu tun, sondern die Vegetation sei noch im Rückstand. Die Salate hingegen hätten das wechselnde Wetter von Regen und Sonnenschein gerne. Die Umstellung auf Bio funktioniere bestens, freuen sich Bernhardsgrütters. Der Biohof werde von Bio-Instruktoren immer wieder kontrolliert. „Wenn alles glatt verläuft, werden wir Ende 2022 mit der Bio-Suisse-Knospe ausgezeichnet“, sagt der Landwirt. Der Aufwand bei einer Betriebsumstellung sei enorm. Das beginne beim Einkaufen des Biosaatgutes und des Tierfutters. „Nicht biozertifiziertes Futter darf nicht verfüttert werden“, erklärt Bernhardsgrütter. Es dürfen auch nur Tiere von Bio-Höfen zugekauft werden.“ Die Liste der Massnahmen sei lang, der administrative Aufwand gross und alles sei mit viel Arbeit verbunden. „Aber die Freude ist gross.“

Bio-Rübli vom Hof Mädertal. Bild: Rita Bolt

Den Humusanteil erhöhen

Markus und Sonja Bernhardsgrütter haben den Hof 2017 in dritter Generation von Markus Eltern Lina und Peter übernommen; die Eltern haben den Hof über 30 Jahre lang erfolgreich geführt. „Wir wurden von unseren Kunden immer wieder auf Bio angesprochen und auch bei uns selber wurde der Wunsch immer grösser“, erzählen die Jungen. Markus Bernhardsgrütter hat einen Biokurs besucht und eine Betriebsberatung durchführen lassen. Seit 2020 setzt er die Methoden der Regenerativen Landwirtschaft um. Das heisse, der Humusanteil werde erhöht und das Bodenleben mit unzähligen Lebewesen, die für die Entstehung der Humusschicht verantwortlich sind, aktiviert. „Wir wollen für unser Gemüse einen guten, vitalen Boden mit viel Humus. Dieser stärkt die Pflanzen und wir sollten so weniger Probleme mit Schädlingen, Pilzen und Unkraut haben“, erklärt der 34-Jährige. Wöchentlich ist der Bauer mit einer Feldspritze unterwegs, die mit Mikroorganismen und Komposttee gefüllt ist. Er bespritzt die Pflanzen, damit sie stark gegen Pilze und Schädlinge werden. Damit würden saisonale und qualitative Bio-Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte erzeugt.

Bernhardsgrütter liebt den Pflanzenanbau: „Es fasziniert mich immer wieder, wie so viele unterschiedliche Aromen, Formen und Farben in unsere Böden entstehen können.“ Seine Lieblingsgemüse sind Kohlrabi und Rüben. Seine Frau Sonja mag Tomaten und Peperoni sehr gerne. Zum Bio HofMädertal gehören gut 21 Hektaren Kulturland. Darauf werden Kulturen wie Urdinkel, Kartoffeln, Grünland für Wiederkäuer und über 80 verschiedene Gemüsesorten produziert. „Wir sähen und pflanzen alle zwei Wochen an“, ergänzt der 34-Jährige: „Wir würden gerne noch Land dazu pachten.“

Auf Bio-Anbau umgestellte Felder. Bild: Rita Bolt

Hühner hausen in Häusern

Der Landwirt und Agrotechniker HF muss nicht nur die Kulturen „umrüsten“ sondern auch die Anforderungen für die Tierhaltung erfüllen, damit im Mädertal das Bio-Label Gültigkeit hat. Es werden Rinder gehalten und Pouletmast betrieben. Der Hühnerbestand wurde von gut 8000 auf 4500 reduziert. Die 4500 Hühner leben neu in sechs Hühnermobilen auf einer der Wiesen. „Es sind weniger Hühner, aber sie bleiben länger bei uns“, sagt Bernhardsgrütter. Durch den Umzug der Hühner in die „Ferienhäuser“ wurde der Hühnerstall frei. Dieser wird neu für das Packen der Saisonboxen genutzt. An zwei Stationen füllen zwei Frauen Kartoffeln, Rüebli, Salat, Frühlingszwiebeln, Kohlrabi, Spargel und Äpfel in die Boxen ein. „Heute frisch geerntet, jetzt eingepackt, morgen geliefert. Frischer geht es nicht“, sagt der Bauer sichtlich erfreut. Auf dem Hof ist Gemüse, Obst und vieles mehr im Hofladen erhältlich. Der Biohof Mädertal ist auch auf dem Gossauer Wochenmarkt am Donnerstag und am Samstag vertreten.

Eine Chance geben

Vor zwei Jahren haben Markus und Sonja Bernhardsgrütter das Projekt Mädertal-Chance gestartet. Sie beschäftigen Frauen und Männer, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben. „Weil sie beispielsweise kein oder nur wenig Deutsch sprechen“, erklärt Sonja Bernhardsgrütter, die in Flawil Teilzeit als Sekundarlehrerin tätig ist. Sie hätten schon sehr gute und weniger gute Erfahrungen gemacht. Derzeit arbeite ein junger Mann bei ihnen, der Englisch spreche. „Ich kann mein Englisch auffrischen“, sagt der Bio-Bauer, „und er kann von uns Deutsch lernen.“ Rb.

Rita Bolt