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Firmennews
16.06.2021
18.06.2021 16:38 Uhr

"Mit drei Whatsapp Baumschule gekauft"

„Ich prüfe jedes Jahr zwei bis drei Firmen, welche eine Nachfolgeregelung suchen“, sagt Andreas Schweiss. Bild: zVg.
Der Gossauer Andreas Schweiss, CEO der KA BOOM Kommunikationsagentur AG, hat die Gossauer Baumschule Füllemann AG im Moosgarten gekauft.

Rita Bolt

Von 2000 bis 2005 hat Andreas Schweiss bei der Füllemann AG in Gossau als Pflanzenverkäufer gearbeitet, Drahtschotterkörbe verkauft und das Familienunternehmen kennengelernt. „Ich habe die besten Erinnerungen an diese Zeit und Ehrfurcht vor der Familiengeschichte der Füllemanns“, sagt er.

1919 eröffnete Jacob Füllemann im Matterwald oberhalb von Gossau eine kleine Baumschule und legte damit den Grundstein für das heutige Unternehmen. 1975, als die Baumschule aus allen Nähten zu platzen drohte, wurde sie an den heutigen Standort im Moosgarten verlegt. Bis zum Verkauf führten die Brüder Hubert und Thomas Füllemann zusammen mit Patrick Engesser die Füllemann AG als Generalunternehmen für Garten und Landschaft mit den drei Standbeinen Baumschule, Drahtschotterkörbe und Gartenbau.

Hubert Füllemann und Andreas Schweiss kennen sich gut, engagieren sich im Gossauer Verein Aktigo für kulturelle Veranstaltungen. „In einem Gespräch erzählte Hubert, dass er keine Nachfolgeregelung gefunden habe und die Füllemann AG verkauft werden soll“, erzählt Andreas Schweiss. „Ich war zwar etwas überrascht, habe mich aber sofort dafür interessiert.“

Die Bedingungen haben für beide gestimmt und „nach drei Whatsapp war alles klar“, erklärt Schweiss lachend. „Der Verkauf der Füllemann AG war dann in wenigen Monaten besiegelt.“ Die Baumschule sei ein solides KMU und stehe finanziell auf gesunden Beinen. Andreas Schweiss ist alleiniger Inhaber der Füllemann AG, denn auch Patrick Engesser hat ihm seine Aktien verkauft. Engesser ist gebürtiger Australier und wird in seine Heimat zurückkehren.

„Wir haben verschiedene Varianten geprüft“, sagt Hubert Füllemann. Der Verkauf an Andreas Schweiss habe sich als die beste Lösung präsentiert. „Wichtig ist für uns, dass das Unternehmen weitergebracht wird.“ Und Schweiss bringe das Unternehmen weiter, er sei ein Macher. Füllemann weiss, dass Schweiss die Materie Landschaftsgärtnerei nie losgelassen habe.

Gerätschaften gekauft und modernisiert

Unternehmen gekauft und gleich investiert: Schweiss hat einen neuen Bagger und andere Gerätschaften angeschafft, alle Büromöbel und Bildschirme ausgewechselt und modernisiert sowie alle Wände weiss gestrichen. „Als sichtbares Zeichen für frischen Wind und einen Neuanfang“, sagt er. Er selber habe im Füllemann-Gebäude kein Büro, er halte sich dort auf, wo er gebraucht werde. Er habe viele Ideen, die er umsetzen wolle: Denn Füllemann besitze die grösste Baumschule in der Ostschweiz, sie habe riesiges Potenzial. Im Gartenbau sollen die Prozesse effizienter gestaltet werden, bei den Pflanzen die Direktvermarktung vorangetrieben werden. „Hier im Moosgarten werden auf 140‘000 Quadratmeter Pflanzen angebaut“, sagt Schweiss. Er stehe oft irgendwo zwischen den Bäumen und staune. „Der Moosgarten ist eine schlummernde Perle und die grüne Oase in Gossau“, sagt der neue Inhaber. Zum Moosgarten gehöre ein 1200 Quadratmeter grosser Weiher, in dem Forellen und Karpfen schwimmen. Der Weiher werde von Thomas Füllemann betreut. Dieser ist weiterhin Bereichsleiter der Füllemann Systeme, ebenso wie Hubert Füllmann; der 61-Jährige hat noch ein Teilzeitpensum von 20 Prozent kümmert sich um die Finanzen und das Personelle. Tobias Papst ist Bereichsleiter Baumschule, Patrick Engesser betreut den Gartenbau.

Die Füllemann AG ist durch den Kauf in die Adasgo Holding AG eingebunden. Dieser Holding gehört unter anderem auch die KA BOOM Kommunikationsagentur AG an. Schweiss hat 2012 die BPR Werbeagentur AG übernommen und die Adasgo Holding AG gegründet. 2016 wurde der Name auf KA BOOM geändert. Heute beschäftigt die Kommunikationsagentur rund 70 Mitarbeitende. In den vergangenen Jahren ist KA BOOM rasant gewachsen. Sie führt heute unter anderem fünf eigene Fotostudios und hat sich auf Food-Shootings spezialisiert. Vor vier Jahren hat Schweiss KA BOOM in Verona (Italien) eröffnet. „KA BOOM ist heute europaweit tätig und ist auf dem europäischen Markt vor allem im Detailhandel sehr aktiv“, sagt der Gossauer.

Gute Leute am Unternehmen beteiligen

Der 42-Jährige hat sich mit der Adasgo Holding AG in den vergangenen Jahren eine kleine Unternehmensgruppe aufgebaut, der nicht nur die Füllemann AG und KA BOOM angehören. „Ich prüfe jedes Jahr zwei bis drei Firmen, welche eine Nachfolgeregelung suchen“, sagt Schweiss. Es gebe viele KMUs, die nicht früh genug nach der Nachfolge Ausschau hielten. „Wer gute Leute beschäftigt, sollte sie beteiligen“, sagt der Unternehmer. So würden sie nicht abwandern, sondern seien motiviert, das Unternehmen weiter voranzutreiben. Er geht mit gutem Beispiel voran: Er hat Andreas Scherrer, Eva-Maria Achatz, Katja Zwiker und Marc Weber an KA BOOM beteiligt und so auch die Zukunft von KA BOOM gesichert. „Sie alle sind in ihren Fachgebieten besser als ich“, sagt Schweiss fast schon bescheiden. Schweiss ist noch immer CEO und Verwaltungsratspräsident bei KA BOOM, habe aber ein sehr gutes Team, das ihn operativ sehr gut entlaste. So bleibe Zeit für neue Ideen, was in der Kommunikationsbranche sehr wichtig sei.

Rita Bolt