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Kanton SG
18.08.2021
18.08.2021 21:04 Uhr

Spital Wattwil schliesst früher als vorgesehen

Symbolbild Bild: zVg
Der Spitalstandort Wattwil wird spätestens per 31. März 2022 vollständig geschlossen. Eine Vorverschiebung des Datums oder eine etappierte Schliessung aus betrieblichen Gründen bleibt vorbehalten.

Das Spital Wattwil wird spätestens Ende März 2022 geschlossen. Eine Bettenstation soll schon im Dezember dieses Jahres aufgehoben werden. Ursprünglich war vorgesehen, das Spital erst im Verlauf des Jahres 2023 umzuwandeln. Das Scheitern des geplanten Kompetenzzentrums für Gesundheit, Notfall und spezialisierte Pflege (GNP) wegen mangelnder Unterstützung durch die Standortgemeinde wird den seit längerem bestehenden, teils bereits akuten Personalmangel noch weiter verschärfen. Unter diesen Voraussetzungen können die Qualität des medizinischen Angebots und die Patientensicherheit in naher Zukunft nicht mehr ausreichend gewährleistet werden. Um Patientinnen und Patienten aus dem Toggenburg behandeln zu können, sollen in Wil kurzfristig fünfzehn zusätzliche stationäre Betten entstehen. Die Notfallversorgung für die Bevölkerung in der Region Toggenburg ist weiterhin sichergestellt.

Am 20. Juli 2021 haben die Regierung des Kantons St.Gallen und die Solviva AG gemeinsam bekannt gegeben, dass der Spitalstandort Wattwil nicht in ein Kompetenzzentrum für Gesundheit, Notfall und spezialisierte Pflege (GNP) umgewandelt werden kann. Aufgrund der fehlenden politischen Unterstützung der Gemeinde Wattwil wird das Projekt nicht weiterverfolgt. Für das Spital bedeutet dies, dass eine konkrete Nachfolgelösung nicht absehbar ist. Wie lange im Spital Wattwil die Patientenbehandlung noch sichergestellt werden kann, ist stark abhängig von der weiteren Entwicklung der Personalsituation. Die anhaltende Unsicherheit über die Zukunft des Spitals hat dazu geführt, dass die Fluktuationsrate bereits vor Bekanntgabe des Scheiterns der GNP-Lösung auf über 20 Prozent angestiegen ist. Mit Wegfall des GNP Wattwil ging diese sehr konkrete und während zwei Jahren mit verschiedenen Partnern erarbeitete Zukunftsperspektive verloren. Als Folge davon hat sich die personelle Situation markant verschärft. Mehrere Kündigungen sind seit der Bekanntgabe des Scheiterns bereits eingetroffen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter orientieren sich neu. Angesichts der unklaren Zukunft können die Stellen kaum neu besetzt werden. Damit ist eine qualitativ genügende und sichere Patientenbehandlung gefährdet. Ein geordneter Spitalbetrieb kann unter diesen Umständen nicht mehr über längere Zeit aufrechterhalten werden.

Geordnete Schliessung des Spitals Wattwil

Mit der Schliessung des Spitals Wattwil spätestens Ende März 2022 kann eine drohende völlig unkontrollierbare Situation vermieden werden. Bereits Mitte September wird der Betrieb der Intermediate Care-Abteilung IMC (Überwachungsbetten) mangels genügender Anzahl Fachpersonen eingestellt. Mitte Dezember wird eine der beiden Bettenstationen geschlossen. Sollte sich die Personalsituation noch schneller verschlechtern, bleibt eine frühere Schliessung vorbehalten. Spätestens ab April 2022 werden im Spital Wattwil keine medizinischen Leistungen mehr angeboten. Zudem wird geprüft, ob die Alkoholkurzzeittherapie (PSA) neu am Spital Linth angeboten werden kann.

Notfall wird zur Aufgabe der örtlichen Ärzteschaft

Der Notfallbetrieb ist bis zum Zeitpunkt der Schliessung sichergestellt. Der Kanton wird die niedergelassene Ärzteschaft bei der Suche nach einer neuen Lösung für die Notfallversorgung unterstützen. Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) als bisherige Betreiberin des Spitals Wattwil ist ihrerseits bereit, bei der Erarbeitung einer Nachfolgelösung der Gemeinde Wattwil mitzuwirken und ein subsidiäres Angebot an ausgewählten Leistungen zu prüfen.

Konsequenzen für Wil

Die vorzeitige Schliessung des Spitals Wattwil hat zudem Auswirkungen auf den Standort Wil. Um die Akutgeriatrie in Wil aufzunehmen und insgesamt mehr Patientinnen und Patienten behandeln zu können, braucht es zusätzliche Betten. Da eine bauliche Erweiterung erst Mitte 2023 vollumfänglich zur Verfügung steht, wird in einer Übergangsphase auf provisorische Lösungen zurückgegriffen. Vorerst sind am Standort Wil fünfzehn zusätzliche Betten geplant. Ebenso wird auch die Notfallinfrastruktur angepasst und erweitert. Damit kann eine gute medizinische Versorgung sichergestellt werden.

Enttäuschung

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung sind sehr enttäuscht über das Scheitern der geplanten GNP Lösung und bedauern, dass damit eine Schliessung erfolgen muss, bevor eine Nachfolgelösung besteht. Leidtragende sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Spital Wattwil, die Bevölkerung der Region Toggenburg wie auch die SRFT als Unternehmen. Das zukunftsgerichtete Modell hätte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute Anschlusslösung ermöglicht und die Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung der Region Toggenburg durch eine enge Verzahnung von verschiedenen medizinischen Angeboten auf innovative Weise sichergestellt und Arbeitsplätze erhalten. Es bleibt das Ziel, möglichst vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Spitals Wattwil eine Stelle an einem anderen Standort anzubieten. Kündigungen sind jedoch unvermeidbar. Betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden jedoch mit verschiedenen Angeboten unterstützt, wie sie im kantonalen Rahmenmassnahmenplan vorgesehen sind.

Verwaltungsrat der Spitalverbunde St.Gallen