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Wirtschaft
21.08.2021
22.08.2021 19:32 Uhr

Aktienbörsen: Afghanistan-Schock

In der Berichtswoche gab es zunächst neue Rekordmarken, doch es kam auch zu Nervosität. Bild: zVg.
Der SMI berührte kurzfristig seine Höchstmarke von 12‘573 Punkten. Die Afghanistan-Krise und steigende Corona-Fallzahlen sorgten aber im weiteren Verlauf für zunehmende Nervosität.

Amerikanische Truppen, die sich insgesamt zwanzig Jahre in Afghanistan befanden, verliessen praktisch über Nacht das Land. Die Taliban übernahmen anschliessend die Regierungsgewalt. Dies wäre eigentlich nur eine indirekte Wirkung auf die Märkte. Aber die Angst vor Verletzung von Grundrechten, mehr Gewalt und Islamisierung (Scharia-Recht) usw. nahm zu. Zudem besteht jetzt auch das Risiko von Unterbrechungen der internationalen Geldströme in den Nahen Osten, ein Störfaktor für den Erdölhandel.

Die Corona-Fallzahlen haben sich wieder nach oben bewegt. Anstatt einer Rückkehr in den Normalzustand diskutieren nun einige Kantone über Verschärfung der Massnahmen, insbesondere eine Auswertung der Covid-Zertifikatspflicht für Grossevents und Restaurantbesuche (indirekte Impfpflicht).

Unternehmensnachrichten

Bei den Semesterresultaten lagen die meisten über den Erwartungen, was die neuen Rekord-Indexstände erklärt. Inflations- und Zinsängste sind vorläufig wieder vom Tisch. Auch eine leicht nachlassende Dynamik der chinesischen und US-Wirtschaft nehmen den Druck weg von den Notenbanken.

Der Lebensversicherer Swiss Life ist wieder profitabel und auf Zielkurs. Unter dem Strich kletterte der Reingewinn der Swiss Life in der ersten Jahreshälfte um 15 Prozent auf 618 Mio. CHF und der Betriebsgewinn nahm ebenso deutlich zu auf 876 Mio. Damit ist der Grundstein für weitere Dividendenerhöhungen gelegt.

Die St. Galler Kantonalbank hat im ersten Halbjahr 2021 ebenfalls mehr verdient als im Vorjahr. Das Betriebsergebnis legte in der ersten Jahreshälfte 2021 um 11 Prozent auf 109 Mio. CHF zu. Bei der Thurgauer Kantonalbank ist der Geschäftsertrag in den ersten 6 Monaten 2021 um 10.5 Prozent auf 181.7 CHF gestiegen. Beim Gewinn fiel das Plus mit 5.3 Prozent auf 74.2 Mio. CHF minim geringer aus.

Beim Industrieunternehmen Huber+Suhner (Telekommunikation) legte der Umsatz um rund 13 Prozent auf 424.4 Mio. zu und der Auftragseingang um beinahe einen Viertel auf 494.2 Mio.

Der Milchverarbeiter Emmi profitierte vor allem von den ausländischen Tochtergesellschaften. Von Januar bis Juni verkaufte die Gruppe für 1.88 Mrd. CHF mit Produkten wie Caffee Latte, Toni-Joghurt und Kaltbach-Käse. Der Reingewinn erhöhte sich um rund einen Fünftel auf 98.7 Mio.

Die Immobiliengesellschaft PSP Swiss Property hat im ersten Halbjahr 2021 den Reingewinn auf 371.4 Mio. CHF verdreifacht, speziell infolge Sondereffekte im Rahmen der periodischen Neubewertung von Immobilien.

Der Finanzdienstleister Partners Group erwartet einen Semestergewinn im Bereich von 585 bis 645 Mio. CHF. Im Vergleich zu 313 Mio. im 2020 wäre fast rund eine Verdoppelung. Diese Aktie hat im bisherigen Jahresverlauf mit einem Plus von 54 Prozent sehr stark zugelegt

Aussichten

Notenbankpolitik, Wirtschaftserholung mit Super-Unternehmenszahlen sowie die Entwicklung der Corona-Situation sind bekannt. Erinnert werden wir aber wieder an die Verschuldungssituation, welche sich durch Corona verschlechtert hat, eine Art Zeitbombe. Vermutlich haben sich die Amerikaner wegen Budgetrestriktionen aus Afghanistan zurückgezogen.

Ende September 2021 stimmen wir ab unter anderem über die 99-Prozent-Initiative der Jusos. Dabei soll Kapitaleinkommen stärker besteuert werden. Aber die Schweiz hat immer noch das beste Finanz- und Steuersystem der Welt, die geringste Verschuldung und am wenigsten Defizite. Ändern sollte man nur was falsch oder gar nicht funktioniert.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Gossau24