ST. GALLER PARTEIEN UNISONO JA ZUR AUSBILDUNG VON ÄRZTINNEN UND ÄRZTEN

Alle St.Galler Parteien haben an ihren Delegierten- oder Hauptversammlungen jeweils Ja gesagt zum Joint Medical Master an der Universität St.Gallen. An der heutigen Pressekonferenz wurden die gesundheits- und bildungspolitischen Aspekte der Vorlage hervorgehoben.

(cvp) Die betrieblichen Nettomehrkosten von 2.1 Millionen Franken ab 2024 und die 17 Millionen Franken in der Aufbauphase 2020-2023 bewegTen sich in einem angemessenen Rahmen, zumal sich auch der Bund mit einem Beitrag von 3.6 Millionen Franken am Aufbau des Studienprogramms beteilige, betonte Raphael Frei, FDP-Präsident. Das sei sehr gut investiertes Geld in die eigene Versorgungssicherheit und in die langfristige Qualität. «Pro Masterstudent/-in leistet der Kanton St. Gallen heute gut 50’000 Franken an andere Kantone. Dieses Geld wird in Zukunft bei uns investiert, dies hat deshalb auch volkswirtschaftlich für unsere Region einen positiven Effekt.» Das Gesundheitswesen ist ein wachsender Wirtschaftssektor, da ist es zentral, dass die Ostschweiz die aktuelle Lücke im Bildungsangebot schliesst, damit St.Gallen nicht abgehängt werden und ein Brain-Drain in andere Kantone geschieht. Der Joint Medical Master stärkt also den Medizinstandort St. Gallen und Versorgt unseren Kanton mit eigenem Fachpersonal Label St. Gallen.

Bedeutung für den Ausbildungsstandort

Für Erwin Böhi, SVP, ist klar: «Jährlich starten rund 40 St.Galler Studierende ein Medizinstudium ausserhalb der Ostschweiz. Mit dem neuen Lehrgang steigern wir die Attraktivität insbesondere für einheimische Interessierte. So sollen pro Jahr 40 Ärztinnen und Ärzte den Joint Medical Master in St.Gallen abschliessen und danach möglichst in der Ostschweiz arbeiten.» Erfahrungswerte aus anderen Ausbilderregionen belegen diesen Trend eindeutig. Als anerkannte, akademische Lehrstätte sichert das Kantonsspital St.Gallen seine klinischen Kompetenzen, baut diese aus und profitiert von neuen Netzwerken. Gemeinsam mit den Regionalspitälern bietet das Zentrumsspital attraktive Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Spezialisten und Spezialistinnen im stationären Bereich. Als Partnerspital der Universität Zürich und als Teil des Bildungsnetzwerks «Humanmedizin» erhält es Zugang zur Spitzenmedizin auf internationaler Ebene.

Hausarztmedizin stärken

Die medizinische Grundversorgung im Bereich der Hausärztinnen und Hausärzte ist akut bedroht: Im Kanton St.Gallen sind 50 Prozent der zugelassenen Grundversorger über 55-jährig. Viele Hausärztinnen und -ärzte werden in den nächsten Jahren pensioniert. Patrick Dürr, Präsident der St.Galler CVP, sagt: «Wir wollen regional verankerte Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner, welche die Bevölkerung in ihrer Nähe betreuen. Denn das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte nimmt seit Jahren zu. Im ambulanten Bereich hat ein beträchtlicher Anteil der berufstätigen Ärzteschaft das 65. Altersjahr überschritten und bekundet Mühe, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden.» Eigener Nachwuchs soll helfen, die sich abzeichnende Lücke in der medizinischen Grundversorgung zu schliessen.

Neuartige Ausbildung mit Zukunftsorientierung

Von «einer wegweisenden und intelligenten Lösung» spricht Max Lemmenmeier, Präsident der SP Kanton St.Gallen. «Es werden eingespielte Strukturen und bestehendes Wissen kombiniert. Das Kantonsspital St.Gallen, die Regionalspitäler sowie die Universitäten St.Gallen und Zürich etablieren dank ihrer Zusammenarbeit innert kurzer Zeit die neue Ausbildung. Der Zusatzaufwand dafür hält sich in Grenzen, weil auf grösstenteils vorhandene Strukturen zurückgegriffen wird. Dank des zukunftsorientierten Konzepts schafft St.Gallen einen attraktiven Studiengang: Das neue Ausbildungsangebot kombiniert Wissen aus Medizin, Management und Pflege und ermöglicht damit interprofessionelles und wirkungsvolles Arbeiten zugunsten der Patientinnen und Patienten. Die Studierenden profitieren davon, dass sich die Netzwerkpartner je auf ihre Stärken fokussieren.

Zusammenarbeit HSG-Kantonsspital stärkt die Schweizer Medizinausbildung

Diese neue Breite der Ausbildung ist auch nötig. «Denn», sagt Andreas Bisig, Vorstandsmitglied der GLP SG, «der Beruf als Ärztin oder Arzt verlangt heute nach vielmehr als medizinischem Fachwissen. In neuen Organisationsformen nehmen Management- und Führungsfähigkeiten einen immer wichtigeren Stellenwert ein.» Und Thomas Schwager, Präsident der St.Galler Grünen fügt an: «Es wird immer schwieriger, qualifizierte Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland zu rekrutieren. Wir müssen und wollen uns weniger abhängig davon machen. Mit dem neuen Ausbildungsgang übernimmt die Schweiz und der Kanton St.Gallen Verantwortung: «42 Prozent der in der Ostschweiz tätigen Ärztinnen und Ärzte verfügen über ein ausländisches Diplom. Wir wollen ein eigenständiges Medizinstudium gestalten und selber einheimische Fachkräfte ausbilden. Fachkräfte, die nach ihrem Studium auch in der Ostschweiz weiterarbeiten und hier wohnen bleiben.»


 

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