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Gast-Kommentar
Stadt Gossau
29.11.2025

"Advent ist noch nicht Weihnachten"

Bild: Kath. Seelsorgeeinheit Gossau
Gedanken von Pater Andy Givel zur Adventszeit.

Meist wollen wir alles sofort. Meist sind wir der Zeit voraus. Meist fällt es uns schwer zu warten. Doch die nun beginnende Zeit des Advents ist eine Zeit des Wartens: Warten auf Weihnachten.
Nicht das nervöse Warten auf verspätete Mails, nicht das genervte Warten in Warteschlangen, sondern das erwartungsvolle Warten, das sich Zeit nimmt, weil es der Zeit etwas zutraut. Früher war der Advent eine besinnliche Fastenzeit. Nicht als Verzichtsideologie, sondern als Übung darin, sich selbst wieder zu hören.

Gossau im Advent. Bild: Andy Givel

Heute sind wir weniger streng, aber vielleicht bräuchten wir die Haltung dahinter umso mehr. Denn irgendwo zwischen Geschenkbestellungen, Terminstapeln und Glühweinbechern sitzt oft die leise Ahnung: Es wäre gut, einmal kurz stehenzubleiben – zu warten. Der Advent ist der freundliche Versuch, uns genau daran zu erinnern. Nicht durch erhobenen Zeigefinger, sondern durch ein schlichtes Bild: eine Kerze, die brennt, zwei Kerzen die brennen, drei … ohne zu drängen.
Natürlich gehört auch das Gemeinschaftliche dazu. Wer über den Weihnachtsmarkt schlendert, wer mit Freundinnen an einem dampfenden Becher Punsch steht oder mit der Familie die ersten Guetzli aus dem Ofen zieht, der spürt, dass Advent nicht nur Stille ist, sondern auch Nähe.
Henry Nouwen sagt: «Warten ist nicht Nichtstun, sondern stilles Reifen.» Das passt gut zum Advent und vielleicht liegt darin sein eigentlicher Sinn: Er will nicht alles sofort. Er will wachsen. Er erlaubt uns, die kleinen Momente wieder wahrzunehmen – den Duft eines Tannenzweigs, das Flackern einer Kerze, die seltene Stille eines frühen Abends oder einer Roratefeier in der Kirche. Und während draussen die Welt immer schneller wird, bleibt der Advent ein kaum merklicher Widerstand: ein leiser Hinweis darauf, dass Vorfreude ihre eigene Geschwindigkeit hat.
Der Advent bietet uns, trotz aller Verpflichtungen und Jahresschlussspurt viele Gelegenheiten innezuhalten und zu warten und uns ganz bewusst auf das vorzubereiten, auf das wir in den kommenden Wochen warten: Auf die Menschwerdung Gottes in unserer Welt – auf Weihnachten.
Soren Kirkegaard sagt: «Wer nicht warten kann, verpasst das Wesentliche.» Das wäre ja auch schade!

Pater Andy Givel, Gossau
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