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Kanton SG
12.01.2026

Thurbo-GTW starten zweites Leben im Ausland

Die heutigen Gelenktriebwagen (GTW) von Thurbo stehen seit rund 25 Jahren im Einsatz. Bild: zVg
Die Thurbo AG trennt sich schrittweise von einem Grossteil ihrer Gelenktriebwagen-Flotte. 93 Fahrzeuge gehen an den Hersteller Stadler zurück, werden umfassend renoviert und anschliessend an die ungarischen Staatsbahnen MAV weiterverkauft. Der Verkaufserlös fliesst vollständig in den regionalen Personenverkehr der Schweiz und entlastet Bund und Kantone finanziell.

Die heutigen Gelenktriebwagen (GTW) von Thurbo stehen seit rund 25 Jahren im Einsatz. Zwischen 2026 und 2034 ersetzt Thurbo diese Fahrzeuge durch 107 neue Regionalfahrzeuge des Typs Flirt Evo von Stadler.

Insgesamt umfasst die GTW-Flotte von Thurbo 110 Fahrzeuge. Davon wurden zwischen 2002 und 2008 insgesamt 82 GTW beschafft, 2012 und 2013 kamen weitere 15 Fahrzeuge dazu. Zusätzlich übernahm Thurbo in den Jahren 2017 und 2018 noch 13 Occasions-GTW von der SBB.

Bei der Ausrangierung wird jedes dieser Fahrzeuge rund fünf Millionen Kilometer zurückgelegt haben. Die Züge wurden während ihrer Einsatzzeit mehrfach revidiert. Unter anderem wurden die Motordrehgestelle ersetzt, die Bodenbeläge erneuert, Lüftungen und Klimageräte aufgearbeitet sowie die Fahrzeughüllen neu lackiert. Das gestaffelte Revisionsprogramm war auf eine Einsatzdauer von 25 Jahren ausgelegt.

Nachhaltige Lösung mit Mehrwert für alle Beteiligten

Die ungarischen Staatsbahnen MAV haben in den kommenden Jahren einen zusätzlichen Bedarf an Rollmaterial und signalisierten Interesse an einem Occasionskauf.

Nach umfangreichen Abklärungen zum Beschaffungsprozess, zum Umbaubedarf sowie zu den Kriterien für die Wiederzulassung in Ungarn unterbreitete Stadler der Thurbo AG ein Angebot für den Kauf von 93 Gelenktriebwagen. Über den Verkaufspreis haben die beiden Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

Stadler übernimmt die Fahrzeuge gestaffelt zwischen 2027 und 2034. Die Gelenktriebwagen werden vollständig renoviert und nach den Bedürfnissen der ungarischen Staatsbahnen umgebaut. Durch dieses Vorgehen erhalten die Fahrzeuge ein zweites Leben und können weiterhin ökologisch und finanziell nachhaltig genutzt werden.

Der Verkauf der GTW-Flotte an Stadler mit anschliessendem Umbau und Weiterverkauf an MAV bringt Vorteile für alle beteiligten Parteien. Anstelle der aufwendigen Wiederverwertung einzelner Fahrzeugkomponenten durch Thurbo sorgt Stadler für eine vollständige Weiterverwendung der Züge.

Der Verkaufserlös von Thurbo fliesst vollumfänglich in den regionalen Personenverkehr der Schweiz zurück. Dadurch reduzieren sich die Abgeltungen von Bund und Kantonen, was die öffentliche Hand entlastet.

Neubeschaffung wirtschaftlicher als Weiterbetrieb

Thurbo entschied sich bereits im Jahr 2021 für die Neubeschaffung von 107 Regionalfahrzeugen des Typs Flirt Evo von Stadler. Die bestehenden GTW genügen den heutigen Anforderungen von mobilitätseingeschränkten Reisenden nur noch bedingt. Zudem erfüllen sie die steigenden Ansprüche an Kundeninformation und Reisekomfort nicht mehr vollständig, beispielsweise in den Bereichen dynamische Fahrgastinformation, Bestuhlung und grössere Multifunktionszonen.

Ein Weiterbetrieb der GTW-Flotte in der Schweiz hätte kostspielige Revisionen und umfangreiche Umbauten erfordert. Teile der Fahrzeugarchitektur sowie der Leittechnik müssten ersetzt werden. Zudem wäre davon auszugehen, dass die Fahrzeuge erneut ein Zulassungsverfahren durchlaufen und eine neue Betriebsbewilligung erhalten müssten.

Auch aufgrund der Skaleneffekte aus der gemeinsamen Beschaffung einer grossen Fahrzeugmenge zusammen mit der SBB und RegionAlps ist die Neubeschaffung für Thurbo sowohl wirtschaftlicher als auch kundenorientierter. Die neuen Fahrzeuge werden parallel zur schrittweisen Ausserbetriebnahme der GTW-Flotte zwischen 2026 und 2034 auf dem Thurbo-Netz eingeführt.

pd
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