Er naht. Der erste Arbeitstag im neuen Jahr. Für die meisten dürfte es heuer der 5. Januar sein.
Kommunikativ ist dieser Tag durchaus etwas speziell. Ein guter Small Talk wird es richten: „Gut ins neue Jahr gestartet?“ ist die diplomatisch-klassische und möglich-sinnvolle Frage. Sofern man die Frage auch ernst meint. Wer eine Frage stellt, muss sich auch innerlich für die Antwort interessieren.
Denn: Kaum jemand will dort um 07:00 Uhr wirklich hören, wie produktiv das neue Jahr beginnt. Wer am 5. Januar vor der 9-Uhr-Pause Sätze sagt wie „Ich habe schon 42 Mails abgearbeitet“, macht sich kommunikativ verdächtig.
Der wichtigste kommunikative Skill am 5. Januar ist deshalb Zuhören. Eine Nachfrage zu den erzählten Erlebnissen, ein Nicken, ein „Ja, ging mir auch so“ – mehr braucht es oft nicht. Sofern – siehe auch oben – man es ernst in ganzer Präsenz meint. Gerade auch jetzt gilt: Beziehung first - Leistung kommt später. Der 5. Januar ist kein Startschuss, sondern ein vorsichtiges Aufwärmen. Wer das verstanden hat, startet entspannter ins Jahr. Beim Erzählen darauf achten: Weniger ist mehr. Ausführliche Ferienberichte, demonstrative Hochmotivation oder alle Details des Weihnachtsmenues inkl. den mehr oder wenigen konstruktiven Feedbacks der dortigen Gäste interessieren nicht wirklich alle bis ins Detail.
Gleichwohl dürften heuer hierzulande aber auch das tragische Unglück in Crans-Montana zu reden geben. Das soll, darf, muss und wird Platz haben.
Schlussendlich dann noch die immer wieder diskutierte Bonusfrage: Wie lange darf man sich „ein gutes neues Jahr“ wünschen? Im Sinne einer ungeschriebenen Ratgebercheckliste: Es gibt zwar keine offizielle Regel, sondern soziale Konventionen. Entscheidend sind Zeitpunkt, Häufigkeit und Beziehung.
Praktische Faustregeln zum Mitnehmen:
Bis 7. Januar: Absolut unproblematisch. Niemand rollt mit den Augen.
8.–15. Januar: Völlig ok, wenn man sich erstmals sieht oder schreibt. Typische Einleitung: „Ich weiss, etwas spät, aber trotzdem noch ein gutes neues Jahr.“
Ab Mitte Januar: Nur noch situationsbedingt sinnvoll – etwa bei einem erstem Kontakt im Jahr, formellen Beziehungen oder schriftlicher Kommunikation
Ab Februar: Kommunikativ eher archäologisch.
Und darum und von Herzen: auf ein neuerliches Wiederlesen auch in diesem Jahr, zu denen ich allen Lesenden alles Gute, schöne Momente und uns durchaus auch immer wieder wertvolle Texte wünsche.