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Stadt Gossau
06.01.2026
06.01.2026 15:09 Uhr

Rebecca Meier: «Als Parlamentarierin werde ich gehört»

Rebecca Meier (stehend) an der Jugendsession im letzten Frühling in Jona. Bild: zVg
Mit der 23-jährigen Arneggerin Rebecca Meier ist erstmals eine Vertreterin der Grünen ins Gossauer Stadtparlament eingezogen. Im Interview mit Gossau24 spricht sie über ihre politischen Anliegen und die Bedeutung von Mitsprache für junge und marginalisierte Menschen.

Rebecca Meier ist 23 Jahre alt, studiert Gesundheitswissenschaften und Technologie an der ETH Zürich und die Politik ist für sie kein Neuland. Die Arneggerin engagierte sich mehrere Jahre im Jugendparlament SG AI AR und prägte dieses als Co-Präsidentin mit. Nun folgt der nächste Schritt: Rebecca Meier (Junge Grüne) ist für Florian Kobler (SP) ins Gossauer Stadtparlament nachgerückt, wodurch die Grünen erstmals vertreten sind.

Rebecca Meier, wie war Ihre Reaktion, als Sie erfahren haben, dass Sie ins Gossauer Stadtparlament nachrücken können?
Rebecca Meier: Ich habe mich sehr gefreut! Ich setze mich schon länger für politische Anliegen ein und die Wahl zur Stadtparlamentarierin ermöglicht es mir, meine Anliegen einfacher und effektiver einzubringen.

Sie waren mehrere Jahre Co-Präsidentin des Jugendparlaments SG AI AR. Wie früh hat Politik in Ihrem Leben eine Rolle gespielt?
Politik hat schon früh in meinem Leben eine Rolle gespielt. Ich erinnere mich an den Geschichtsunterricht in der Maitlisek, als wir das Politische System der Schweiz behandelt haben. Das Thema hat mich gepackt und von da an habe ich auch zu Hause besser verstanden, um was es bei den politischen Diskussionen am Mittagstisch ging. Selbst aktiver wurde ich während meiner Kantizeit. Damals fanden die ersten Klimastreiks statt. Zwar war ich – weil ich schon damals keine «laute Persönlichkeit» war, die gerne auf Streiks geht – nur an wenigen Klimastreiks dabei. Politisiert haben sie mich trotzdem. 
Etwa zeitgleich war ich auch an den ersten Events des Jugendparlaments SG AI AR. Es hat nicht lange gedauert, da wurde ich zuerst in den Vorstand und dann in das Co-Präsidium gewählt. Im Jugendparlament habe ich unter anderem gelernt, Vorstösse zu schreiben und mich dann politisch für diese einzusetzen.  

Welche Themen möchten Sie im Parlament besonders einbringen?
Als Parlamentarierin werde ich gehört. Dieses Privileg möchte ich nutzen, um Stimmen Gehör zu verschaffen, die normalerweise still sind oder von uns explizit ausgeschlossen werden. Konkret heisst das, dass ich mich dafür einsetzen möchte, dass Kinder, Jugendliche, Personen ohne Schweizer Staatsbürgerschaft und andere marginalisierte Gruppen mehr Mitsprache erhalten.

Was wünschen Sie sich konkret für Gossau?
Ich wünsche mir eine attraktive und lebenswerte Stadt. Heute und auch in Zukunft. Das bedingt zum Beispiel ein angenehmes Stadtklima. Mit entsprechenden baulichen Massnahmen und mehr Grün- und Wasserflächen könnte Gossau in Zukunft besser mit Hitze umgehen und hätte auch heute schon attraktivere Begegnungszonen, was das Leben in Gossau attraktiver macht.

Zu einer lebenswerten Stadt gehört für mich auch gute öffentliche Infrastruktur für Bildung, Arbeit, Mobilität, Gesundheit und Freizeit. Spezifisch möchte ich mich zum Beispiel für die Umsetzung der bereits geplanten Sportwelt einsetzen.

Wie gehen Sie mit Gegenwind und Kritik in der politischen Arbeit um?
Widerstand gibt es immer, wenn man sich für etwas einsetzt. Ich habe schon auf so manchen Podien die Meinung einer Minderheit vertreten und kann mir deswegen in etwa vorstellen, was mich erwartet. Persönlich bin ich der Ansicht, dass man an Kritik wachsen kann und dadurch eigene Ideen verbessern kann. Und bei Frust und destruktiver Kritik hilft mir meistens eine Runde Laufen oder Schwimmen oder eine grosse Tasse Kaffee mit guten Freund:innen.

Heute, am 6. Januar 2026, nehmen Sie erstmals an einer Sitzung des Gossauer Stadtparlaments teil. Trotz Ihrer politischen Erfahrung: Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf diese Premiere?
Ein bisschen nervös bin ich schon. Ich hoffe, ich verstehe dann, wie die Abstimmungsanlage funktioniert und wann man zum Beispiel klatschen soll und wann nicht. Ausserdem hoffe ich, dass ich keine ungeschriebenen Regeln verletze und keine Namen vertausche.

Aber vor allem freue ich mich auf diese Premiere und den Beginn eines neuen Kapitels in meinem Leben.

Vielen Dank, Rebecca Meier, für das Gespräch!

Claudia Vamvas
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