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Stadt Gossau
17.01.2026
17.01.2026 11:14 Uhr

Frauennetz Gossau: Starke Frauen im Blaulicht-Einsatz

(Von links:) Moderatorin Katerina Mistakidis, Linda Stanger (Rettungsdienst), Tabea Lütolf (Feuerwehr) und Regula Preisig (Polizei). Bild: gossau24.ch / Claudia Vamvas
Offen, nah und persönlich: Drei Frauen aus Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei waren am Freitagabend, 16. Januar 2026, zu Gast beim Frauennetz Gossau. Moderatorin Katerina Mistakidis stellte die Fragen – und gab Raum für sehr persönliche Einblicke.

Über 60 Frauen hatten sich am Freitagabend, 16. Januar 2026, zum Frauennetz-Anlass «Wenn die Sirene ertönt» im Feuerwehrdepot Gossau eingefunden. Auf dem Podium sassen Berufsfeuerwehrfrau Tabea Lütolf, Polizistin Regula Preisig und Rettungssanitäterin Linda Stanger. Die Moderation führte Katerina Mistakidis.

Geschlechter-Klischees

Nach der Begrüssung übergab Präsidentin Ruth Lehner das Wort an Vorstandsmitglied Bettina Wild, die den Abend mit einem kurzen Filmausschnitt eröffnete. Eine Schulklasse hatte Berufspersonen aus Feuerwehr oder Polizei gezeichnet. Das Ergebnis: Unter 75 Zeichnungen war nur eine Frau – ein Hinweis darauf, wie hartnäckig Geschlechter-Klischees noch immer sind.

«Helfen, wenn für andere die Welt stillsteht»

Die drei Frauen erzählten von Situationen, die in Erinnerung bleiben, von Momenten, in denen man helfen kann – und von jenen, in denen man an Grenzen stösst. Tabea Lütolf beschrieb, wie sehr sie ihre Arbeit bei der Feuerwehr erfüllt: helfen zu können, wenn für andere die Welt stillsteht. Gleichzeitig erzählte sie von der spürbaren Erleichterung bei den Menschen, wenn die Feuerwehr am Einsatzort eintrifft.

Die eindrücklichen Schilderungen wurden vom Publikum aufmerksam verfolgt. Bild: gossau24.ch / cv

Belastende Erfahrungen, zunehmende Aggression

Anders klangen die Erfahrungen von Linda Stanger und Regula Preisig: Beide berichteten von zunehmender verbaler und physischer Aggression. Respektlosigkeit, gerade auch von sehr jungen Jugendlichen, gegenüber der Polizei habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Belastend seien zudem Einsätze, bei denen sich für Angehörige in einem Moment alles verändere. Trotz dieser Herausforderungen wurde im Verlauf des Abends deutlich, mit wie viel Überzeugung und Engagement alle drei ihren (Traum-)Beruf ausüben.

Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Moderatorin Katerina Mistakidis fragte nach der Vereinbarkeit des anspruchsvollen Berufs mit dem Privatleben. Lange Schichten, unplanbare Einsätze sowie körperliche und emotionale Belastung gehören zum Alltag. Tabea Lütolf erzählte, dass ihr Partner ebenfalls bei der Feuerwehr sei, was vieles erleichtere. Auch Linda Stanger berichtete von grossem Verständnis im persönlichen Umfeld. Regula Preisig sagte offen, dass sie ihre Erlebnisse bewusst nicht nach Hause trage. Wichtig sei, Wege zu finden, das Erlebte zu verarbeiten – und bei Bedarf auch professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

«Hinter jeder blauen Uniform steht ein Mensch»

Zum Schluss fragte die Moderatorin, was die drei Frauen dem Publikum mitgeben möchten. Die Antworten waren knapp und wirkungsvoll. «Hinter jeder blauen Uniform steht ein Mensch», sagte Regula Preisig. Tabea Lütolf gab einen praktischen Rat mit auf den Weg: «Wenn es brennt, bitte rausgehen – und die Türen schliessen.» Linda Stanger forderte die Anwesenden auf, mutig zu sein und den eigenen Träumen nachzujagen.

Der Anlass wirkte nach: Nach dem offiziellen Teil suchten viele Besucherinnen das Gespräch mit den Podiumsteilnehmerinnen und stellten Fragen – auch beim Apéro wurde intensiv weiterdiskutiert. Bild: gossau24.ch / cv
Claudia Vamvas
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